25. Januar 1866 • Minna Wagner stirbt in Dresden

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„Richard Wagner ist ein böser Mann.“ Den Spruch hatte Minna ihrem Papageien beigebracht. Da war die Ehe schon am Zerbröseln, aber getroffen hat es den Gescholtenen dennoch: „Jacquot soll sagen: doch ein guter Mann, Richard Wagner“, schloß Wagner am 14. September 1858 einen Brief an seine Gattin.


Minna Planer wurde am 5. September 1809 im erzgebirgischen Oederan geboren und schaffte es, sich im Laufe ihres Lebens um acht Jahre zu verjüngen – zumindest aktenhalber: Als sie 1836 den vier Jahre jüngeren Wagner heiratete, gab sie an, zwei Jahre jünger als er zu sein, und in der Dresdner Einwohnerliste wurde sie später als Jahrgang 1817 erfaßt.

Diese kreative Art der Selbstdarstellung deutet zweifellos auf eine gewisse Originalität, für die Nachwelt erwuchs daraus aber ein harter Brocken Arbeit, wenn es darum ging, im Dickicht der von Wagner (und Cosima) beeinflußten Lebensbeschreibungen, der teilweise sich widersprechenden Quellen wie der Schilderungen Dritter das Authentische vom Fiktiven unterscheiden zu können.

So schien es über viele Jahrzehnte hinweg allgemeine Übereinstimmung darin zu geben, daß Minna weder die Selbstaufopferungsgabe noch das tiefe Verständnis von Richards Künstlerwesen gehabt hätte, wie sie Cosima fraglos zugebilligt wurde.

Doch sowohl Eva Rieger als auch Sibylle Zehle haben den scheinbaren Gewißheiten nicht vertraut und in ihren Publikationen ein neues Licht auf jene drei Jahrzehnte geworfen, die Minna und Richard einander verbunden waren. Denn erst der Tod Minnas am 25. Januar 1866 beendete diese Beziehung.

Minnas Tochter Natalie, die sie als 16jährige bekam und zeitlebens (auch gegenüber Natalie) als ihre jüngere Schwester ausgab, verkaufte ein Vierteljahrhundert nach Minnas Tod etwa hundert Briefe Richards an Minna der Engländerin Mary Burrell, die eine Edition plante, aber vor deren Fertigstellung starb.

Als die Sammlung Burrell dann 1950 von John N. Burk herausgegeben wurde, erkannte Thomas Mann darin eine pièce de resistance gegen das herrschende Wagner-Bild: „Wir haben da (…) die ganze bittere Geschichte dieser Ehe vom ersten Liebeswort bis zur endgültigen Trennung. Wir lernen viel daraus: vor allem, daß Wagners Bindung an diese Frau viel stärker, tiefer verwurzelt und dauerhafter war, als man sich wohl vorgestellt. Er hat sie ganz offenbar leidenschaftlicher geliebt als alle, die ihr später sein Herz stahlen: Jessie Laussot, Mathilde Wesendonck, Cosima von Bülow, in denen sie notwendig teuflische Verführerinnen erblicken mußte, während sie ihr einfach an Verständnis für Wagners Künstlertum überlegen waren.“

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