13. Februar 1883 • Richard Wagner stirbt in Venedig

„Heute muß ich mich in Acht nehmen“, sagte Richard am Morgen des 13. Februar 1883 zu Cosima laut Daniela von Bülows Tagebuch.

Die Todesboten meldeten sich immer wieder einmal während des winterlichen Venedig-Aufenthaltes. Ob es das öfter auftauchende „Harlekin, du mußt sterben“ war, sein „all mein Weibsen geht jetzt an mir vorüber“ oder manch andere überlieferte Äußerung – Wagner war der Ahnungen voll.

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Nach Venedig war Familie Wagner bereits im September 1882 aufgebrochen, logiert wurde im „Ala Bianca“ genannten Seitentrakt des Palazzo Vendramin Calergi, wo dem „Meister“, seiner Familie und dem „Hofstaat“ fünfzehn Zimmer zur Verfügung standen.

Hierher kamen nun auch die Freunde, Verehrer und Teile der Familie gereist. Franz Liszt kam für mehrere Wochen zu Besuch und reiste am 13. Januar 1883, genau einen Monat vor Wagners Tod, ab. Zwei Tage zuvor hatte Wagner ihn noch gebeten, für immer bei ihm und Cosima zu bleiben.

Auch der Maler Paul von Joukowsky war bei Wagners zu Gast, wenngleich er nicht bei ihnen wohnte. Von ihm stammt das nebenstehende letzte Bild des lebenden Wagner, das er zeichnete, während Richard den Kindern aus de la Motte Fouqués „Undine“ vorlas, am Abend des 12. Februar.

Was genau nun am 13. geschah, wird vermutlich nie restlos geklärt werden. Wie häufig in der filmreifen Geschichte der Familie, deutet die heftige Reaktion auf die in den folgenden Wochen durch den Arzt Friedrich Keppler in Umlauf gebrachte Version, daß eine eheliche Auseinandersetzung zu Wagners Herzanfall geführt hätte, darauf hin, daß es sich dabei um mehr als ein bloßes Gerücht handeln könnte.

Zum gesicherten Wissen gehört zumindest, daß er den Großteil des Tages im Bett verbracht hat, seinen Herzanfall jedoch am Schreibtisch erlitt und nach seiner Frau und dem Doktor rief. Cosima hat, wie es Daniela beschrieb, „seinen letzten Athem-Hauch küssend aufgenommen.“ Als Dr. Keppler gegen drei Uhr eintraf, konnte er nur noch den Tod feststellen.

Was dann folgte, hat auf alle Augenzeugen, besonders die Kinder, durchaus verstörend gewirkt. Denn Cosima wich dem toten Gemahl nicht von der Seite, verbrachte die ganze Nacht an seiner Seite und ließ sich dann von ihren Töchter die Haare abschneiden, die sie in einem Plüschsäckchen auf die Brust des Toten legte.

Am 15. Februar begannen Keppler und Joukoswky heimlich mit der Einbalsamierung. Da sie dabei giftige Substanzen verwendeten, erlaubten sie Cosima, nur zwei Minuten beim toten Richard zu bleiben. Mit großer Anstrengung gelang es nach fast zehn Minuten, die nun zur „Nonne“ (Joukowsky) Transformierte vom Totenbett wegzubringen.

Einen Tag später trat der tote Wagner im aus Wien georderten Sarg mit Glasdeckel seine letzte Reise an – zurück nach Bayreuth, begleitet von letzten Ehrerweisungen an der Strecke. Sein Grab hatte er seit der Fertigstellung von Wahnfried dort täglich im Blick gehabt. Nachdem der Sarg nun von seinen Freunden hinabgesenkt war, erschien Cosima, die sich bis dahin den Blicken entzogen hatte, an der offenen Gruft. Daniela erinnerte sich: „Mama trat hinein, legte sich lange auf den Sarg, bis Fidi sie abholte und wir sie zurück geleiteten. Dann legte sie sich nieder – wir kehrten zu unseren Freunden – zum Leben – zurück.“

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