17. Februar 1867 • Eva von Bülow in Tribschen geboren

Im Wagnerschen Liebesidyll am Vierwaldstätter See kam an einem Sonntag Hans von Bülow zu seinem zweiten Kuckuckskind, Eva Maria. Bülow war am Nachmittag des 17. Februar 1867 in Tribschen eingetroffen, hatte sich zu Cosima ans Bett gesetzt und gesagt: “Je pardonne.” Sie soll bedeutungsvoll entgegnet haben: “Il ne faut pas pardonner, il faut comprendre.” – Ob er begriff, was er verstehen sollte?

Es vergingen noch drei Jahre, bis sich Cosima und Hans von Bülow scheiden ließen, wenige Wochen darauf heiratete Cosima Richard Wagner. „Onkel“ Richard schien an der „unehrenhaften“ Geschichte weniger zu leiden als die Mutter seiner Kinder. Cosima wollte ihnen ein Familienleben bieten, wie es ihr selbst von den eigenen Eltern versagt worden war, verstand sich in deren Erziehung auf genauso subtile Manipulationen mit dem “schlechten Gewissen”, wie sie ihr widerfahren waren. So strafte sie nicht einfach, sondern brachte ihre Kinder dazu, die Strafe von ihr zu erbitten.

Als Zwanzigjährige verliebte sich Eva wohl in den Liszt-Schüler und Assistenten von Hermann Levi, den jungen österreichischen Kapellmeister Felix Weingartner. Wenn es nach Cosima gegangen wäre, hätte Eva den drei Jahre älteren Richard Strauss heiraten sollen, aber der zeigte nicht das gewünschte Interesse.
Philipp zu Eulenburg schrieb 1892 an Wilhelm II.: “Tochter Evchen ist noch hübsch, muß aber bald heiraten. Ich fürchte nur, daß der gewünschte Fürst oder Prinz nicht kommt. Evchen ist in der schlimmen Lage, als Tochter der “klügsten Frau” und des “größten Mannes” geistige Erbteile zu empfinden, die nicht vorhanden sind.”

Ab Mitte der 1880er Jahre ließ Cosimas Sehkraft nach, und Eva schlüpfte in die Rolle ihrer Privatsekretärin. Nachdem Cosima 1906 mehrmals zusammengebrochen war, übernahm Eva auch noch die Rolle der Krankenpflegerin; Cosima übergab die Leitung der Festspiele an Siegfried. Oliver Hilmes faßt in seiner Cosima-Biographie kurz und prägnant zusammen: “Der Wechsel ging reibungslos vonstatten. Es stellte sich allerdings heraus, daß der neue Chef die Rolle des ideologischen Kopfes der Wagnergemeinde nicht annehmen wollte oder konnte. Das mit Cosimas Abtritt entstandene Machtvakuum sollte ein ganz anderer ausfüllen – und zwar mit verhängnisvollen Folgen.”
Die Rede ist von Houston Stewart Chamberlain, der schon 1896 bei der verheirateten Blandine, später bei Isolde (die aber „seine Glotzaugen nicht mehr sehen“ wollte) versucht hatte, in den engsten Familienkreis zu gelangen. Am 26. Dezember 1908, zwei Tage nach Cosimas 71. Geburtstag, traute Bürgermeister Preu im Wahnfried-Saal Eva und den zwölf Jahre älteren Houston Stewart Chamberlain.

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Eva schwang von nun an in Wahnfried das Zepter, was sich für die forschende Nachwelt als verhängnisvoll herausstellen sollte. Denn sie hatte durch die Vertrauensstellung zur Mutter auch uneingeschränkten Zugang zum Familienarchiv, das sie gründlich durchforstete und in beträchtlichem Ausmaß von Dokumenten säuberte (sprich: sie verbrannte), darunter auch von Cosima für Siegfried bestimmte Aufzeichnungen, die dieser nie zu sehen bekam. Dafür notierte Eva eifrig und vermutlich selektiv, was Cosima im Alter von sich gab, etwa: „Wie hätte sich Papa über Houston gefreut!“

Chamberlains Einzug ins Haus Wahnfried ist bis heute Symbol für die starke Braunfärbung des Grünen Hügels, denn das Deutschnationale verband sich in Chamberlains Denken und Schreiben (bewundert und unterstützt von der erheirateten Familie) aggressiv mit dem „Kampf gegen alles Jüdische“ in den Künsten wie in der Gesellschaft.

Nach Siegfrieds Eheschließung mit Winifred Williams im Jahre 1915, die von Eva nach Kräften vorangetrieben worden war, zogen die Chamberlains am 1. Mai 1916 in die Villa Wahnfriedstraße 1, jenes Haus, in dem heute das Jean-Paul-Museum untergebracht ist.

Die Stadt Bayreuth machte 1922 Houston Stewart Chamberlain zu ihrem Ehrenbürger, Adolf Hitler und Eva Chamberlain erhielten die Ehrenbürgerschaft 1933. Dem „Führer“ und seinem glühenden Verehrer und Wegbereiter wurde diese Würde 1988 wieder aberkannt.

Eva Chamberlain starb am 26. Mai 1942 in Bayreuth.

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