17. Juni 2013 • Bilder bauen

Wenn Matthias Lippert in seinem Berliner Atelier sitzt und anfängt zu erzählen, nimmt er seine Zuhörer auf eine Reise mit. Alles sieht man plötzlich plastisch vor sich, als wäre man selbst bei allem dabei gewesen: Man rennt mit ihm als technischer Realisator bei den Bayreuther Festspielen hinter der Bühne mit, sieht seine Vision von der zum Opernhaus verwandelten Oberfrankenhalle, belauscht seine Diskussionen mit Regisseuren und Technikern.

Lippert ist ein Theatermensch durch und durch – und unüberhörbar Oberfranke. Und beides hat tatsächlich miteinander zu tun. Ohne Oberfranken, vielmehr ohne Bayreuth, wäre Matthias Lippert nie zum Theater oder zu den Bayreuther Festspielen gekommen.

Und so kam das Regiestudium, an der Musikhochschule in München, um Opernregie zu studieren, bei August Everding.

Lippert studierte schließlich Veranstaltungstechnik mit Schwerpunkt Theater. Und dann kam kam er dahin, wo er als Jugendlicher sein wollte: ins Bayreuther Festspielhaus.

Ganze acht Spielzeiten war er als technischer Realisator bei den Bayreuther Festspielen tätig, hat u. a. Schlingensiefs und Herheims Parsifal umgesetzt, den Dorst-Ring, der der erste war, bei dem fast jedes Bild anders gestaltet war und Katharina Wagners Meistersinger. Seine erste Produktion war Philippe Arlauds Tannhäuser – auf den ersten Blick scheint das im Vergleich zu den anderen Produktionen nicht besonders aufwendig gewesen zu sein, doch das trügt.

Eine große und gänzlich andere Herausforderung hat Matthias Lippert jetzt zu bewältigen: Wagners Frühwerke in der Oberfrankenhalle. Er erinnert sich noch gut an seine Reaktion, als er angefragt wurde.

Bühnenbildentwurf für den Rienzi in der Oberfrankenhalle

Bühnenbildentwurf für den Rienzi in der Oberfrankenhalle

Zum ersten Mal wird Lippert selbst der Bühnenbildner sein. Da schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Künstler einerseits – pragmatischer Techniker andererseits. Aber vielleicht braucht es bei diesem speziellen Projekt und Ort eben auch mal eine spezielle Sichtweise, eine, die beides unter einen Hut kriegt und das Pferd zunächst mal von hinten aufzäumen kann.

Allein konnte er das aber machen, als Personalunion aus Bühnenbildner und technischem Realisator. Seine Arbeit ist jedoch auch nach Abschluss der Bühnenbildplanung nicht beendet. Er ist auch für den reibungslosen Ablauf verantwortlich, dafür, dass alles – Mitarbeiter, Maschinen und Pläne – rechtzeitig da sind und alles wie ein Uhrwerk ineinandergreift. Im Idealfall läuft es dann „wie am Schnürchen“.