8. August 2013 • Freunde treffen Freunde • Hinter den Kulissen

Udo Metzner (rechts im Bild) mit Ina Besser-Eichler und Dr. Wolfgang Wagner

Udo Metzner (rechts im Bild) mit Ina Besser-Eichler und Dr. Wolfgang Wagner

Der Beruf, der eigentlich keiner ist

Udo Metzner arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Inspizient im Bayreuther Festspielhaus

Musiker, Künstler, Psychologe und Techniker: Alle diese Berufe sind in einem einzigen vereint, dem des Inspizienten. Einer, der diesen Beruf seit 37 Jahren, davon 32 Jahre bei den Bayreuther Festspielen, ausübt, ist Udo Metzner. Er hatte ein Musikstudium in Aachen absolviert und war im Sommer 1982 zum ersten Mal nach Bayreuth gekommen. Für die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth ließ Metzner jetzt erstmals in einem Vortrag einen Blick hinter die Kulissen des Festspielbetriebs zu.

Eigentlich ist es gar kein Beruf, denn es gibt weder eine Ausbildung noch einen Abschluß oder ein Examen. Trotzdem ist der Inspizient einer der wichtigsten Beteiligten einer jeden Aufführung, denn ohne ihn geht kein Vorhang auf und auch keiner zu. Im Ernstfall ist der Inspizient derjenige, der über den Abbruch einer Aufführung entscheidet. Doch das passiert eigentlich ganz selten. Udo Metzner erinnert sich an eine Aufführung der Zauberflöte an seiner Hauptwirkungsstätte, der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Dort blieb eine Versenkung stecken, und Metzner entschied sich für eine Unterbrechung, anders hätte die Aufführung nicht fortgesetzt werden können.

Für Udo Metzner sind es eher die Ideen mancher Regisseure, die er und seine Mannschaft als echte Herausforderungen betrachten. Etwa, wenn sich die Rheintöchter – wie 1983 in der „Ring“-Inszenierung von Peter Hall geschehen – im echten, 60 Tonnen fassenden Schwimmbecken bewegen und das Wasser während der Verwandlung binnen 20 Sekunden vollständig in eine Zisterne unterhalb des Festspielhauses abgelassen werden muß. Sogar Spezialisten der Berufsfeuerwehr hätten mitgearbeitet, um diese Herausforderung zu meistern. Wenn dann während der Aufführung alles klappt, ist es auch das Verdienst von Udo Metzner. Und wenn während einer Probe im Becken echte Frösche auftauchen, dann muß ein Spaßvogel seine Finger im Spiel haben.

Trotzdem, ein Inspizient sollte Nerven wie Drahtseile haben, sagt Udo Metzner. Lampenfieber oder Nervosität, das seien echte Fremdworte. Psychologie sei wichtig für den Umgang mit so manchem Solisten. „Es gibt kaum einen Ort, an dem man einen Künstler so nackt sehen kann wie hinter Bühne kurz vor seinem Auftritt.“  Zu den Tätigkeiten des Inspizienten gehört es auch, Sänger Statisten, Tänzer oder den Chor zu ihren Auftritten zu rufen, Bühnentechnikern und Beleuchtern die Zeichen für Umbauten zu geben. Vom Inspizienten kommen außerdem die Befehle zum Öffnen und Schließen des Vorhangs, der in Bayreuth übrigens per Joystick „gefahren“ wird, sowie zum Pausenzeichen für die Zuschauer.

Erst seit drei Jahren gebe es in Bayreuth die Möglichkeit zum Durchruf, etwa an die Solisten, wenn deren Auftritt kurz bevor steht. Was an anderen Theatern seit Jahrzehnten längst üblich, habe Wolfgang Wagner, der technischen Neuerungen ansonsten stets offen stand, aus traditionellen Gründen zu verhindern gewußt. Als Udo Metzner und die Technik eigenmächtig einen solchen Durchruf eingebaut hatten, hat ihn Wolfgang Wagner höchstpersönlich  wieder durchtrennt, erinnert sich Udo Metzner noch ganz genau.

Top-Thema in diesem Sommer ist für Udo Metzner sowie für alle Beteiligten die große Hitze. Die Musiker sitzen in T-Shirt und Shorts im unsichtbaren Orchestergraben, denn eine Klimaanlage gibt es ja nicht. Trotz neuer LED-Scheinwerfer, die keine zusätzliche Hitze mehr erzeugen, sei es aber auch auf der Bühne nicht unbedingt kühler als im Zuschauerraum, wo weniger die hohe Temperatur, als die hohe Luftfeuchtigkeit für Probleme sorgt. Den absoluten Wärmerekord machte Udo Metzner übrigens für den Sommer des Jahres 1986 aus. Bei der TV-Übertragung des Gedenkkonzertes zum 100. Todestag von Franz Liszt stellte Udo Metzner auf der Bühne eine Temperatur von 44 Grad Celsius fest. Das sei bislang nicht mehr übertroffen worden.

Stephan Herbert Fuchs

Bild:

Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Wagner (links) und Geschäftsführerin Ina Besser-Eichler von der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth konnten den langjährigen Inspizienten des Festspielhauses Udo Metzner zu dessen ersten Vortrag über seine Tätigkeit gewinnen.

Foto: Fuchs

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