Aufrecht und konsequent – Wagners Schweizer Enkel

Franz Wilhelm Beidler und Bayreuth

Franz Wilhelm Beidler und Bayreuth

Vom 12. Juli bis 10. September 2014 zeigt das Richard Wagner Museum Bayreuth in den Räumen der Stadtbibliothek eine Ausstellung über Franz Wilhelm Beidler, den ersten Enkel Richard und Cosima Wagners. Die vom Stadtarchiv Zürich in Kooperation mit der Stadt Bayreuth getragene Ausstellung des Schweizer Büros ARTES fand bereits im Rahmen der Zürcher Festspiele 2013 zum Thema „Treibhaus Wagner“ große Beachtung.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein bisher nur in Fachkreisen bekanntes Thema, nämlich die Geschichte eines Familienzweigs Richard Wagners, dessen Nachkommen noch heute in der Schweiz leben. Die von Dr. Verena Naegele und Sibylle Ehrismann kuratierte Ausstellung beleuchtet die Entwicklung der Wagnerschen Familiengeschichte unter Einbeziehung der originalen Familiendokumente und Archivquellen. Sie stammen hauptsächlich aus dem Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth und aus dem Privatarchiv Beidler. Zum Teil werden sie erstmals gezeigt.

 

1865 wurde Richard und Cosima Wagners erste, nicht legitimierte Tochter Isolde in München geboren. Nach Jahren der Auseinandersetzung mit ihrer Mutter Cosima Wagner strengte Isolde 1914 einen Prozess um die Vaterschaft Wagners an, den sie verlor, weil Cosima den wahren Vater verleugnete. Die bisherigen Darstellungen haben vorwiegend Cosima Wagners Sicht wiedergegeben. Die Ausstellung beleuchtet nun erstmals auch Richard Wagners persönliche Rolle und Stellung zu seinen Kindern, von denen letztlich Siegfried zum Alleinerben bestimmt wurde.

 

Isolde heiratete 1900 in Bayreuth den Schweizer Musiker Franz Philipp Beidler, der in Bayreuth zunächst als Assistent sowie 1904 und 1906 als Dirigent wirkte. 1901 wurde in Bayreuth beider Sohn Franz Wilhelm geboren, der erste Enkel Richard Wagners. Die Familie wohnte im Schloss Colmdorf bei Bayreuth, doch mit dem Prozess 1914 kam es zum endgültigen Bruch zwischen Wahnfried und dem Beidler-Zweig.

Franz Wilhelm Beidler, der erste Enkel Richard Wagners, im Alter von sieben Jahren. Bayreuth, Foto: Ulrich, 1908

Franz Wilhelm Beidler ging später nach Berlin und arbeitete in den 1920er Jahren im Kulturministerium der Weimarer Republik. Er emigrierte 1934 mit seiner jüdischen Frau Ellen Gottschalk nach Frankreich und ein Jahr später in die Schweiz, wo er als Sekretär des Schweizer Schriftstellerverbandes bedeutende Arbeit leistete. Beidlers Biografie ist eng mit der Geschichte der Festspiele verbunden, zu deren Verlauf er als Publizist regelmäßig kritisch Stellung nahm. Bis heute wurde die Familie Beidler weder angemessen gewürdigt noch rehabilitiert. In der einschlägigen Literatur wird im Stammbaum die Nachkommenschaft Isoldes marginalisiert oder oft gar nicht erwähnt. Die Geschichte und ihre Hintergründe wurden nun gründlich aufgearbeitet und sind auch in einem Buch veröffentlicht.

 

Führungen

Freitag, 8. August 2014, 14 Uhr

Mittwoch, 10. September 2014, 17 Uhr (letzter Ausstellungstag)

 

Buch zur Ausstellung

Verena Naegele / Sibylle Ehrismann: „Die Beidlers – Im Schatten des Wagner-Clans“, 330 S., Zürich: Verlag rüffer & rub, 2013. ISBN 978-3-907625-66-8 (zu erwerben in der Stadtbibliothek während der Ausstellung)

 

Gespräch mit den Autorinnen

Lesung mit Musikbeispielen und Bildern

Donnerstag, 7. August 2014, 20 Uhr

 

Veranstaltungsort

Stadtbibliothek im RW 21

Richard-Wagner-Straße 21

95444 Bayreuth

Tel. +49-921-507038-30

Fax +49-921-507038-39

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag: 10 – 19 Uhr

Samstag: 10 – 15 Uhr

 

Kontakt

Richard Wagner Museum mit Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung

Wahnfriedstraße 2

95444 Bayreuth

Tel. +49-921-7572813

Fax: +49-921-7572822

http://www.wagnermuseum.de