Richard Wagner als »Filmkomponist«

Stephanie Großmann mit Wolfgang Wagner und Udo Schmidt-Steingraeber

Charlie Chaplins »Der große Diktator«, Francis Ford Coppolas »Apocalypse now« oder Lars von Triers »Melancholia«: All diese Spielfilme nutzen die Musik Richard Wagners. »Vor allem die Amerikaner bemächtigen sich seit den 1940er Jahren kontinuierlich der Kompositionen Wagners«, sagt Stephanie Großmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Universität Passau. Die Kulturwirtin hatte »Richard Wagner als Filmkomponist« genauer unter die Lupe genommen und stellte die Ergebnisse bei einer Veranstaltung der »Gesellschaft der Freunde von Bayreuth« am 3. August 2014 in der Klaviermanufaktur Steingraeber vor.

Die Wissenschaftlerin war dabei unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass fast alle Filmregisseure, die sich der Musik Wagners bedienen, ganz gezielt auf die Wirkung seiner Musik setzen und dabei nichts dem Zufall überlassen.
Im Gegensatz zu Mozarts Zauberflöte etwa enden Wagners Musikdramen immer in der Apocalypse. Genauso wie die Filme, in denen sich Wagners Musik wiederfindet: Das sei bereits 1915 so gewesen, als der US-amerikanische Regisseur David Wark Griffith seinen Historienfilm »The Birth of a nation« mit dem Walkürenritt unterlegte. Der Stummfilm gilt in Amerika noch heute als Kultfilm. Viele Jahre später war es Francis Ford Coppola, der in seinen Antikriegsfilm »Apocalypse now« einen Hubschrauberangriff der Luftkavallerie auf ein vietnamesisches Dorf zu den Klängen des Walkürenritts schnitt.
Selbst wer Wagners Walküre nie gesehen hart, wird den Walkürenritt aus dem Film kennen. Stephanie Großmann sprach von einer paradox anmutenden Verbindung zwischen den leichten, flirrenden Holzbläserklängen auf der einen Seite und den schweren Tönen der Blechblasinstrumente auf der anderen Seite. Musik, und ganz besonders die Richard Wagners, habe die Fähigkeit, Gefühle innerhalb kürzester Zeit zu beeinflussen, sagte die Referentin. So auch in der extrem brutalen und menschenverachtenden Szene von »Apocalypse now«, in der die Musik verhindere, dass man sich wirklich vom Geschehen auf der Leinwand distanzieren könne.
Ähnlich ist es in Lars von Triers Endzeitfilm »Melancholia« aus dem Jahr 2011, in dem das Filmende aufgrund einer Kollision zwischen der Erde und einem anderem Planeten gleichzeitig das Ende der Welt ist. Als Musik dazu hatte Lars von Trier den Liebestod aus Tristan und Isolde ausgewählt. Als weiteres Beispiel hatte Stephanie Großmann das deutsch-amerikanische Filmdrama »Ein Leben für ein Leben« ausgewählt, in dem die Traumatisierung durch den Holocaust zum Thema gemacht und mit der Tannhäuser-Ouvertüre unterlegt wird. Bekanntestes Beispiel für die Verwendung der Musik Richard Wagners im Spielfilm ist sicher der US-amerikanische Fantasy-Film »Excalibur« von John Boormann, der die König-Artus-Legende zum Inhalt hat. Hier hat sich der Regisseur gleich aus drei verschiedenen Wagner-Opern bedient. So erklingen der Trauermarsch aus der Götterdämmerung, das Tristan-Motiv sowie das Abendmahlsmotiv aus dem Parsifal. Der soghaften Wirkung der Musik Richard Wagners könne man sich in keinem der Filme entziehen, so die Referentin.

Als das am häufigsten verwendete Wagner-Zitat bezeichnete Stephanie Großmann den Hochzeitsmarsch beziehungsweise den Brautchor aus dem Lohengrin. In »Vier Hochzeiten und ein Todesfall« hatte sich Hollywood 1994 daran bedient. Den meisten Rezipienten werde es gar nicht bewusst sein, dass sie da gerade Richard Wagner hören. Genauso wie in einem überaus kuriosen, aber dennoch sinnigen Beispiel: einem Werbespot für ein sächsisches Bier. Unterlegt vom Chor aus dem 2. Tannhäuser-Aufzug , in dem der Thüringer Landgraf gerühmt wird, sind der sächsische Gerstensaft und die Dresdner Semperoper zu sehen. Einen echten Sinnzusammenhang zwischen Bild und Musik gebe es sogar, denn die Uraufführung des Tannhäuser fand tatsächlich 1845 in der Dresdner Oper statt.

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