Freunde treffen Freunde: Monika Gora, Ausstattungsleiterin

Monika Gora zu Gast bei Freunde treffen Freunde

Monika Gora zu Gast bei Freunde treffen Freunde

Sie ist eine der unverzichtbaren Mitarbeiterinnen auf dem Grünen Hügel, eine die das ganze Jahr über im Festspielhaus tätig ist und die dafür sorgt, dass es jede Produktion vom Papier auf die Bühne schafft: Monika Gora ist als Ausstattungsleiterin für Kostüm, Maske und Requisite verantwortlich.

Bei der zweiten Veranstaltung von »Freunde treffen Freunde« in dieser Spielzeit plauderte die gebürtige Landshuterin aus dem Nähkästchen und verriet, dass das Waldvogelkostüm über 13 Kilogramm schwer ist und dass Stöckelschuhe auf der Bühne tabu sind. Grund dafür ist die Sorge, dass Sängerinnen irgendwo im Bühnenboden oder im Bühnenbild stecken bleiben könnten. »Sänger und Sängerinnen benötigen generell Bodenhaftung«, so die Chefin der Ausstattung.

»Man lernt stets was Neues dazu, deshalb ist der Beruf so interessant«, sagt Monika Gora. Sie mag es, mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert zu sein, und derer gibt es auf dem Grünen Hügel wahrlich genug. Die Rattenkostüme aus der aktuellen Lohengrin-Inszenierung von Hans Neuenfels waren so eine Herausforderung. Man habe zwei lang Jahre getüftelt, ehe die neoprenartigen Kostüme, die in Wirklichkeit aus einem ganz besonders feinen Jersey-Stoff sind, mit viel Liebe zum Detail realisiert wurden. Was viele nicht wissen: die leuchtenden Augen sind eine Spezialanfertigung aus China, die mit Batterien betrieben werden. Weil die Batterien aber nur jeweils einen Aufzug lang halten, müssen sie in den Pausen komplett ausgetauscht werden.

Als Ausstattungsleiterin steht die studierte Kostüm- und Bühnenbildnerin einem Heer von 30 Schneidern aus dem In- und Ausland, vier Gewandmeistern, Garderobieren, Maskenbildnern und sechs Kollegen in der Requisite vor. Sie hat es freilich nicht nur mit der schönen Kunst zu tun, sondern auch mit dem Schreiben von Dienstplänen oder mit der Verwaltung des jeweiligen Budgets, das jede Produktion hat. Manchmal aber auch mit ganz praktischen Dingen: So sind die Knöpfe der meisten Kostüme nur Attrappen. Auch Reißverschlüsse sind selten und nur bei Solisten mit viel Aktion im Einsatz. Weil Klettverschlüsse nicht immer lautlos sind, schließen die meisten Kostüme mit eingebauten Magneten. So ist es dann auch möglich, 76 »Herrenratten« in nur zehn Minuten umzukleiden.

Eine der größten Herausforderungen auf jeder Theaterbühne ist es nach den Worten von Monika Gora immer, wenn der Regisseur Blut sehen will. »Es gibt nur eine einzige Firma, die Rote-Beete-Saft produziert, der auch wieder rausgeht«, sagt sie. Je nachdem, wie lange das »Blut« an Kostümen oder Bühnenbildern anhaften muss, wird der Rote-Beete-Saft verdickt oder verdünnt. Die eigentliche Arbeit hat dann eine Bayreuther Wäscherei, die den Großteil der Kostüme reinigt. Bis auf wenige Ausnahmen: Die Kostüme der Nornen im ersten Aufzug der Götterdämmerung werden sofort nach dem Auftritt wieder gewaschen, so dass die Nornen nach dem Aufzug bereits in gesäuberten Kostümen vor dem Vorhang kommen können.

Am meisten beschäftigt ist regelmäßig die Abteilung Requisite: Aus Brandschutzgründen müssen Strohballen auf der Bühne imprägniert sein, echtes Glas darf wegen der hohen Verletzungsgefahr nicht verwendet werden, und Messer müssen auch immer stumpf sein.

Größte Herausforderung in ihrer mittlerweile fünfjährigen Tätigkeit war die Lohengrin-Inszenierung von Hans Neuenfels, die Inszenierung, in der die Rattenkostüme eine tragende Rolle spielten. »Der Lohengrin ist schon ein Wahnsinnsprojekt«, sagt sie. Die Inszenierung habe die gesamte Kostümabteilung zusammengeschweißt. Aber auch mit der aktuellen Ring-Produktion von Frank Castorf sei die Abteilung gut beschäftigt, und gleich nach der Veranstaltung geht es für Monika Gora wieder ins Festspielhaus, wo bereits über die Neuproduktion des Tristan 2015 diskutiert wird, ehe wieder der Lohengrin auf dem Spielplan steht.

Zur Person:

Die gebürtige Landshuterin Monika Gora studierte von 1989 bis 1993 am Mozarteum in Salzburg Bühnen- und Kostümbild. Zwischen 1993-95 war sie Bühnenbildassistentin am Schauspiel Essen, von 1995 bis 2007 arbeitet sie als freie Bühnen- und Kostümbildnerin unter anderem an den Theatern in Lübeck, Oldenburg, Braunschweig, Mainz, Darmstadt, Bielefeld, Konstanz, Gießen, Oberhausen, Kaiserslautern, der Oper in Erfurt, dem Schauspiel in Essen, den Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach und den Freilichtspielen Schwäbisch-Hall. Insgesamt zeichnete sie für rund 150 Bühnen- beziehungsweise Kostümbilder verantwortlich. Von 2007 – 2010 war Monika Gora Ausstattungsleiterin am Theater Bremen, seit 2010 ist sie Ausstattungsleiterin bei den Bayreuther Festspielen.

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