Schauplätze in Castorfs RING • Baku

M: 007, was wissen Sie über das Kaspische Meer?

James Bond: Kaviar. Riesige, wunderbare Belugas. Fest, aber doch zart.

(M blickt ihn indigniert an)

James Bond: Das größte Binnenmeer der Welt. Viel Öl. Hitler wollte an das Öl, aber Stalin besiegte ihn.

M: Es geht ums Öl, ein wahrer Goldrausch ist ausgebrochen, dort gibt es mehr vom schwarzen Gold, als irgendjemand gedacht hat. […] Drei Pipelines gehen ans Schwarze Meer und sind durch instabile Regierungen oder eine Blockade durch Russland gefährdet.

James Bond: Und das neue Pipelineprojekt […] geht durch die Türkei, direkt zum Mittelmeer?

Charles Robinson: Ein Riesenprojekt. Die teuerste Alternative, aber jene Variante, die von jedem der westlichen Spitzenpolitiker unterstützt wird.

Wenngleich der Dialog aus dem James-Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« von 1999 fiktiv ist, zeigt er doch die die Brisanz und das Ringen um Macht, die das Thema »Öl« mit sich bringen. Hintergrund des Dialogs ist der Bau einer Ölpipeline von Aserbaidschan an die türkische Mittelmeerküste. Möglicherweise eine Anlehnung an die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die uns an den Ursprung der Ölförderung führt: nach Baku.

Die im Südkaukasus gelegene Republik Aserbaidschan hat eine östliche Küstenlinie von 800 Kilometern entlang des Kaspischen Meeres, im Süden grenzt sie an den Iran sowie durch die Autonome Republik Nachitschewan an die Türkei, im Westen an Armenien und im Norden an Russland und Georgien. Hauptstadt der Republik ist Baku, eine Stadt mit über 2 Mio. Einwohnern, am Kaspischen Meer gelegen. Bekannt ist das Land vor allem durch seine Ölreserven. Die Anfänge der Ölförderung gehen zurück in die Zeit, als Aserbaidschan noch zum Zarenreich gehörte und Russland in den Jahren zwischen 1898 und 1901 kurzzeitig zum Ölzentrum der Erde machte. Der Aufstieg zur Industriemetropole begann: Im Jahre 1898 trug Baku 95% zur russischen und 50% zur weltweiten Erdölproduktion bei. 1901 gelang Aserbaidschan mit 11,5 Mio. Tonnen die weltweit größte Fördermenge.

Der Ölboom wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abrupt beendet, als Arbeiter auf den Erdölfeldern eine Revolution anzettelten und die Anlagen zerstörten. Unter ihnen kein geringerer als Stalin, zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem Namen Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili oder auch unter seinem Kampfnamen »Koba«, »Der Unbesiegbare«, bekannt. Die Revolutionäre jagten die Ölbarone aus dem Land, die Bolschewiken kamen 1920 als Folge der Oktoberrevolution an die Macht.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde Aserbaidschan zum souveränen Staat. Die Unabhängigkeit des Landes kam insbesondere westlichen Staaten zugute, die von den Erdölvorkommen profitierten. Im sogenannten »Jahrhundertvertrag« von 1994 unter der Führung des Britischen Ölkonzerns BP, wurde die Erschließung von drei Offshore-Feldern aus aserbaidschanischen Ölvorkommen beschlossen. Nur fünf Jahre später konnte eine 1510 km lange Rohrleitung des Caspian Pipeline Consortium (CPC), im georgischen Supsa am Schwarzen Meer eröffnet werden, von wo aus Tankschiffe den Weitertransport des Rohstoffes sicherstellten. Noch eine Steigerung gelang mit der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die mit einer Länge von 1770 km von Baku bis zur türkischen Hafenstadt Ceyhan reicht. Das 3,6 Milliarden-Dollar-Projekt, das den Transport von täglich einer Million Barrel ermöglicht, wurde im Mai 2005 in Betrieb genommen.

Baku ist Schauplatz der Walküre.

 

Quellen:

Seifer, Thomas/ Werner, Klaus: Schwarzbuch Öl. Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld, Wien 2005.

Artikel: Aserbaidschan – Autokratie im Ölparadies, Deutsche Welle 25.5.2012: http://www.dw.de/aserbaidschan-autokratie-im-%C3%B6lparadies/a-15951317 (Aufruf 25.11.2014)

Artikel: Öl-Pipeline mit Konsequenzen, Deutsche Welle 26.5.2006: http://www.baku.diplo.de/Vertretung/baku/de/01-willkommen-in-aserbaidschan/Willkommen-S.html (Aufruf 25.11.2014)

Artikel: Trans-Adria-Pipeline macht Fortschritte, Deutsche Welle 4.10.2014: http://www.dw.de/trans-adria-pipeline-macht-fortschritte/a-17973401 (Aufruf 26.11.2014)

Aserbaidschan aktuell: http://www.aserbaidschan-aktuell.de (Aufruf 26.11.2014)

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