BAUTAGEBUCH • Vorgeschichte des Baus

Bei der Umsetzung seiner Werke ärgerte sich Wagner über die Bedingungen an deutschen Opernhäusern und plante die Uraufführung des RING in einem eigenen, von ihm erdachten, temporären Theater. Ein Brief Wagners an Theodor Uhlig aus dem Jahr 1850 gilt als erste schriftliche Nennung seiner Idee. Wagner schreibt, dass er für Zürich »auf einer schönen Wiese bei der Stadt von Brett und Balken ein rohes Theater nach meinem Plane herstellen und lediglich bloß mit der Ausstattung an Dekorationen und Maschinerie versehen lassen (wollte), die zu der Aufführung des SIEGFRIED nötig sind«. Nach geglückten Vorstellungen wollte er die ganze Bretterbude wieder einreißen und die Partitur verbrennen. In einen Brief an Ernst Benedikt Kietz vom 14. September 1851 wiederholt sich der Festspielgedanke: »Er brauche 10 000 Taler, dann wolle er aus Brettern ein Theater errichten – und wieder abbrechen.«

Später sucht Wagner einen Ort, wo sich ein »unverdorbenes« Publikum ganz seiner Kunst hingeben möge. Nachdem er sich Ende 1871 für Bayreuth entschieden hatte, auch da ihn der Bayreuther Stadtrat großzügig unterstützte, wurde am 22. Mai 1872 der Grundstein gelegt (noch bevor die Pläne gezeichnet oder gar eine behördliche Genehmigung vorlag). In seiner Rede zur Grundsteinlegung betonte Wagner mehrfach den provisorischen Charakter des projektierten Gebäudes und spricht von einer im »dürftigsten Materiale ausgeführten äußeren Umschalung«, die »im glücklichsten Falle« an die »flüchtig gezimmerten Festhallen« und an die für einen baldigen Abbruch gebauten Sängerhallen erinnere.

1872 schreibt Wagner: »Mir wäre es recht, wenn es ganz nur aus Holz wäre, wie Turner- und Sängerfesthallen; keine andere Solidität, als die welche es vor Einsturz sichert.« auch: »Ich gestatte einen vollständigen Holzbau, so sehr dies auch meine Bayreuther verdrießen sollte, welche gern schon jetzt ein stattliches Gebäude von Außen sehen möchten (…) Und: Ich akzeptiere selbst ein Balkengesperre.« Über »die äußere Gestalt des ganzen Theaterbaues« sagt Wagner in seiner Rede, dass diese »nicht in das Gebiet der uns zu Aufgabe gestellten Erfindung zu rechnen war« und verweist mehrmals auf die fehlenden Finanzen, die zur »Errichtung eines monumentalen Ziergebäudes« nötig gewesen wären.

Wagner begreift die äußere Gestalt als reines Provisorium, das später einmal vollendet werden sollte. Wichtig ist ihm allein da Innere: »Was von diesem Gebäude jedoch auf einen dauernden Bestand berechnet ist, soll Ihnen dagegen immer deutlicher werden, sobald Sie in sein Inneres eintreten.«

Im nächsten Jahr wird das Festspielhaus seit 140 Jahren auf dem Grünen Hügel stehen, und wir werden im Jahr 2016 die 105. Bayreuther Bühnenfestspiele erleben können. Auch wenn seit der Zeit Richard Wagners viele Um- und Neubauten durchgeführt wurden, so sollte immer versucht werden, der Idee des Gründers immer näher zu kommen.

Zur Architektur des Festspielhauses sei »Das Richard Wagner Festspielhaus« (herausgegeben im Jahr 2007 von Markus Kiesel) empfohlen, ebenso »Wolfgang Wagner. Der Festspielleiter. Der Regisseur. Der Bauherr« (Hrsg. Oswald Georg Bauer), das im Frühjahr 2014 erschienen ist.

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