Richard Wagner gehört allen – nicht den Wagners

Einen Tag nach der Eröffnung der Festspiele wird in Bayreuth das Richard Wagner Museum mit seinem Neubau und vielen Umbauten wieder der Öffentlichkeit übergeben. Dass der Direktor des Museums bei der von der Stadt geplanten Feier weder das Publikum adressiert noch in der Einladung erwähnt wird, ist eine Provinzposse, die halbherzig vom Nordbayerischen Kurier dargestellt wird.

Den »Bayreuther Krämergeist« im Umgang mit dem Wagner-Erbe stellt Udo Bermbach in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung an den Pranger.  Er bezieht sich dabei auf die vertane Chance, im Zuge des Wahnfried-Umbaus auch das einstige Wohnhaus von Chamberlain in ein Gesamtkonzept einzubinden, das auf die Verflechtung der Wagnerfamilie mit der Politik und die Instrumentalisierung des Werkes durch verschiedene politische Strömungen (und die nationalsozialistische im besonderen) eingeht.

Auch Wagners Nachkommen zeiht Bermbach der Ignoranz gegenüber dem Thema: »In Bayreuth, das zeigt die Geschichte der Festspiele mit allem nur denkbaren Nachdruck, ging es nie nur um die Kunst, sondern stets um eine Kunst, die – auch wenn Wagner selbst das ursprünglich anders wollte – von Anfang an politisch infiziert war. Dass sich die jetzige Festspielleitung dieses Zusammenhangs bewusst ist, darf gefragt und sogar bezweifelt werden.«

Dass bis heute weder das Archiv des Festspielhauses (sofern davon noch etwas übrig ist) noch die innerhalb der Familie verstreuten Dokumente (darunter die Nachlässe von Siegfried und Winifred Wagner) für die Forschung zugänglich gemacht wurden, verhindere eine Aufarbeitung der Bayreuth-Geschichte, bei der es den Historikern möglich ist, die Perspektive und Motive der Akteure besser einzuschätzen.

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