Freunde treffen Freunde • Matthias Lippert

Matthias Lippert

Matthias Lippert, dahinter Wolfgang Wagner mit Udo Schmidt-Steingraeber (Foto: Stephan Herbert Fuchs)

 

Zwei Namen stehen für das Bühnenbild auf dem Programmzettel der diesjährigen Neuinszenierung von »Tristan und Isolde« durch Festspielleiterin Katharina Wagner: der von Frank Philipp Schlößmann und der von Matthias Lippert. Letzterer wurde in Hof geboren und ist in der Region aufgewachsen. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth in der Klaviermanufaktur Steingraeber plauderte Lippert über das Bühnenbild, gewährte einen Blick hinter die Kulissen und erzählte von seinem Werdegang und seinem Bezug zum Werk Richard Wagners.

Das Schlüsselerlebnis datiert Matthias Lippert auf das Jahr 1985. Damals habe er in Bayreuth den »Fliegenden Holländer« in der Inszenierung von Harry Kupfer gesehen, seitdem hätten ihn Richard Wagner und Bayreuth nicht mehr losgelassen. »Es gab einfach nur mehr Bayreuth, Bayreuth, Bayreuth«, sagt Lippert.

Zunächst studierte er Opernregie bei August Everding in München, arbeitete an zahlreichen Produktionen im Münchner Nationaltheater mit und lernte so die gesamte Bühnenmaschinerie kennen. Nach zwei Jahren brach er das Münchner Studium ab und machte mit dem Fach Theatertechnik an der Technischen Fachhochschule Berlin weiter. Nach seinem Abschluss war er von 1998 bis 2001 als technischer Produktionsleiter am Nationaltheater in Mannheim tätig und betreute dort zunächst eine »Lohengrin«-Inszenierung, im Jahr 2000 den »Ring des Nibelungen«.

2001 habe sich dann die Chance ergeben, bei den Festspielen in Bayreuth zu arbeiten. Sein Einstieg sei die Mitarbeit am »Tannhäuser« in der Inszenierung von Philippe Arlaud gewesen, es folgten unter anderem der »Ring« in der Produktion von Tankred Dorst, der umstrittene »Parsifal« von Christoph Schlingensief, »Tristan und Isolde« von Christoph Marthaler sowie der »Parsifal« in der Inszenierung von Stefan Herheim. Seit 2008 ist Matthias Lippert als freiberuflicher Konstrukteur sowie als Videokünstler und Bühnenbildner tätig, ein »Beruf und eine Berufung im Spannungsfeld zwischen Schein und Sein«, wie es ein Besucher der Veranstaltung später formuliert.

Im Wagnerjahr 2013 hatte er unter anderem im Auftrag der Festspiele das Bühnenbild zu »Rienzi« in der Bayreuther Oberfrankenhalle entworfen. »Katharina Wagner hat einfach jemanden gesucht, der aus der Turnhalle ein Opernhaus macht«, so Lippert, der zusätzlich die gesamte Projektplanung bei den Aufführungen der Frühwerke Wagners in der Oberfrankenhalle übernahm. Schon damals sei klar gewesen, dass er am Bühnenbild für den »Tristan« 2015 entscheidend mitwirken werde. »Man hat jemanden gebraucht, der weiß, was realisierbar ist, und was nicht.«

Lippert spricht von einem »unglaublichen baulichen Aufwand«, bereits im Herbst 2013 hätten die Werkstätten des Festspielhauses mit der Umsetzung seiner Pläne begonnen. Allein die Realisierung des Bühnenbildes für den ersten Akt habe aufgrund der hohen technischen Anforderungen fast ein Jahr gedauert, ebenso der dritte Akt, bei dem hinter den Kulissen ständig gebaut wird, während der Zuschauer von vorne nur »Standbilder« sieht. Bescheiden nimmt sich Lippert dabei zurück und bezeichnete Frank Philipp Schlößmann als den gestaltenden Kopf.

Im Gespräch wird aber auch deutlich, dass die entscheidenden Impulse für das gesamte Bild des dritten Aktes von Matthias Lippert ausgegangen waren. Er spricht von Tristans Trugbildern, die verschwinden und doch immer wieder auftauchen, was technisch eine ungemeine Herausforderung ist. Nicht weniger kompliziert ist das Treppengewirr des ersten Aufzugs, das Lippert als gesteuerten Irrgarten bezeichnet. Noch immer ist er beeindruckt, wozu die Bühnenmaschinerie fähig war, und er schwärmt von den Sängern, die das unglaubliche Talent hätten, sich Bühne und Raum anzueignen.

Matthias Lippert hat noch einen ganz anderen Bezug zu Bayreuth. Sein um fünf Jahre älterer Bruder Michael Lippert, ebenfalls in Hof geboren, ist seit 2006 Dekanatskantor und Kirchenmusiker an der Ordenskirche St. Georgen. Michael Lippert hat sich auch als Komponist einen Namen gemacht, seine kirchenmusikalischen Werke (unter anderem »Der 4. König« und »Der Mönch am Meer««) wurden alle in der Ordenskirche aufgeführt. Bruder Matthias hatte dazu aufwendige Lichtstimmungen visualisiert und Videosequenzen beigesteuert.

Stephan Herbert Fuchs

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