Freunde treffen Freunde • Frank Piontek

Der Bayreuther Musikwissenschaftler Frank Piontek und Ina Besser-Eichler, die Geschäftsführerin der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth

Der Bayreuther Musikwissenschaftler Frank Piontek und Ina Besser-Eichler, die Geschäftsführerin der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth

 

Festspielbesucher kommen in der Regel wegen der zehn großen Musikdramen Richard Wagners nach Bayreuth. Die Wesendonck-Lieder kennt man gerade noch, aber wer kennt Wagners Konzertouvertüre d-Moll, die Klaviersonaten, das Opernfragment »Die Hochzeit«, die Nicolai-Hymne, den Amerikanischen Marsch oder gar die Pariser Lieder? Der Bayreuther Musikwissenschaftler und Kulturpublizist Frank Piontek hat die Früh- und Nebenwerke Richard Wagners aufgespürt. Bei einer Veranstaltung der »Gesellschaft der Freunde von Bayreuth« stellte er seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vor, und so mancher Wagnerianer wurde dabei mit Kompositionen konfrontiert, von denen er bis dato gar nichts wusste.

Grund dafür ist: Vieles ist nie auf Schallplatte oder CD erschienen. Es gebe im Gegensatz zu fast allen anderen Komponisten nicht einmal eine Richard-Wagner-Gesamteinspielung, und selbst in neueren Büchern fehlten die Hinweise auf Nebenwerke völlig, sagt Piontek. 108 Kompositionen enthalte das Wagnersche Werksverzeichnis (WWV). Insgesamt seien davon dreizehn verlorengegangen, zwölf unvertont geblieben, dreizehn sind Bearbeitungen anderer Komponisten und sieben lediglich als Fragment überliefert. Bleiben aber immer noch rund 60 Nummern, Kompositionen, die es durchaus lohnen, sich damit zu beschäftigen. Denn, so Piontek, jedes Stück sei interessant und erhellend. Wenn auch nicht jede Komposition zu den stärksten gehöre, so blitze das Genie Wagner auch in den Früh- und Nebenwerken auf.

Was für Piontek aber das Entscheidende ist: In jeder Komposition Wagners klingen bereits Motive der großen Musikdramen an. Die wesentlichen Grundmotive seien vorhanden, selbst im Opernfragment »Die Hochzeit«, das Wagner als 17-Jähriger begonnen hatte. Die Tristan-Anklänge in den Wesendonck-Liedern sind bekannt, doch auch die Nicolai-Hymne als politisches Gebrauchsstück, wie es Piontek nannte, enthalte bereits ein Meistersinger-Motiv. In den Klarinetten und Oboen der Sinfonie C-Dur, die über weite Strecken ein einziger Beethoven-Hymnus sei, könne man schon die Senta aus dem »Fliegenden Holländer« hören oder in der Faust-Symphonie Motive aus der »Walküre.«

Öfter gespielt würden mittlerweile die Opern, die nicht zum Bayreuther Aufführungszyklus gehören. Der »Rienzi« beispielsweise, oder auch die »Feen« und das »Liebesverbot« seien angekommen. Auch das überaus bedeutende Chorwerk »Das Liebesmahl der Apostel« werde aufgrund des engen Bezuges zur Dresdner Frauenkirche wieder gespielt.

Kaum aufgeführt würden dagegen wohl aufgrund ihrer Länge Wagners Klaviersonaten. Weil sie keinen guten Ruf haben, so Piontek. Doch stellten sie eindrucksvoll unter Beweis, dass schon der junge Wagner in der Lage war, Ohrwürmer zu produzieren. Außerdem komme man nicht an der Tatsache vorbei, dass Wagner als Instrumentalkomponist begonnen hatte und nicht etwa als Opernkomponist auf die Welt kam. Trotzdem würden viele dieser Kompositionen einfach nie gespielt. »Ich frage mich, warum«, sagte Piontek und nannte beispielsweise die sorgfältig komponierte und trotzdem nur gut eine Minute dauernde Klavierkomposition »Notenbriefchen für Mathilde Wesendonck«, die sich für viele Pianisten optimal als Zugabe eignen würde.

Bleiben noch die Bearbeitungen, unter anderem eine Instrumentation von Gioacchino Rossini oder die umfangreiche Neueinrichtung von Christoph Willibald Glucks Meisterwerk der Reformoper »Iphigenie in Aulis«. Natürlich sei es eine Gluck-Komposition geblieben, wenn auch mit Lohengrin-Anklängen, die vieles über den Dresdner Kapellmeister Richard Wagner verrät.

Stephan Herbert Fuchs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s