Freunde treffen Freunde • Josef Lienhart über Wieland Wagner

160813 GdF Lienhart

Ina Besser-Eichler konnte zur Veranstaltung »Freunde treffen Freunde« der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth den ehemaligen Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbandes International, Josef Lienhart, in der Klaviermanufaktur Steingraeber begrüßen.

Fast wäre der 50. Todestag von Wieland Wagner heuer am 17. Oktober ein wenig in Vergessenheit geraten. Wäre da nicht Josef Lienhart, früherer Präsident des internationalen Richard-Wagner-Verbandes. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth erinnerte der Wagner-Kenner an den Opernregisseur und Enkel Richard Wagners.

Er zeigte dabei zahlreiche Fotografien des Festspielfotografen Siegfried Lauterwasser. Wieland habe nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen zugelassen, berichtet Lienhart. Doch Siegfried Lauterwasser habe immer auch Farbbilder angefertigt, von denen die meisten bis vor kurzem unveröffentlicht geblieben sind. Jetzt sind sie in der neuen Geschichte der Festspiele zu sehen, die Oswald Georg Bauer vor wenigen Tagen vorgelegt hat.

Im Vortrag von Josef Lienhart wurde vor allem deutlich, was es mit »Neu-Bayreuth“ und mit der »Werkstatt Bayreuth“ auf sich hatte. Für beide Begriffe steht der Name Wieland Wagner. Das begann bereits 1951, bei den ersten Festspielen nach dem Zweiten Weltkrieg, für die Wieland alle vier Ring-Opern und den Parsifal inszeniert hatte. »Wieland Wagner wählte dazu die Grundlagen der griechischen Antike aus«, sagte Lienhart. Beispielsweise habe er Wotan in Gestalt des Gott Zeus durch den unvergessenen Hans Hotter darstellen lassen.

Ganz konsequent und ganz entschieden habe Wieland auch im Parsifal seine neue Art der Inszenierung umgesetzt. Für ihn sei Licht das gewesen, was bei Richard Wagner die Malerei war. Sein Stil habe sich auf Andeutungen erstreckt, auf imaginäre Lichtsäulen beispielsweise, aber auch auf Farbe, etwa in der Darstellung der Hofgesellschaft seines Tannhäuser in rot, der Farbe der Gotik.  Wieland setzte seinen Stil fast bis zu seinem Tod 1966 fort. Etwa 1959 in seiner Bayreuther Holländer-Inszenierung, in der dann 1960 die erst 20-jährige Anja Silja für Leonie Rysanek einsprang und ihr Debüt auf der Bühne des Festspielhauses gab. Die Inszenierung lief bis 1965, Josef Greindl als Daland habe dabei ausgesehen, als ob er einem Roman von Charles Dickens entsprungen wäre.

Immer wieder werde deutlich, dass Wieland Wagner eine sehr enge Beziehung zur Kunstgeschichte hatte, sagt Josef Lienhart. Weitere Anklänge an die griechische Tragödie machts Lienhart in Wielands Bayreuther Lohengrin-Inszenierung aus, die er als silberne Ritterlegende mit statuarisch aufgestelltem Chor zeigte. Anja Silja als Elsa habe dabei viel weniger leidend und passiv agiert als die Elsa in allen früheren Inszenierungen.

Über Wielands Tod im Jahr 1966 hinaus seien, realisiert durch seinen langjährigen Assistenten Hans-Peter Lehmann, noch bis 1970 seine Tristan– und bis 1973 seine Parsifal-Inszenierung gezeigt worden. Doch schon 1963 habe sich Wieland in seiner Meistersinger-Inszenierung und später auch in seiner Stuttgarter Lulu-Deutung dem Neuen Realismus zugewandt. Die Festwiese sei plötzlich eine Shakespeare-Bühne gewesen, Vorbilder habe er unter anderem in Darstellungen des italienischen Renaissance-Malers Raffael gefunden. »Plötzlich fährt Wieland Wagner alles das auf, was er fünfzehn Jahre vorher verbannt hatte«, sagt Lienhart.

Der Referent hatte 1942 als neunjähriger Bub im Freiburger Theater mit der Walküre seine erste Wagner-Oper erlebt und seitdem nicht mehr von der Musik des Komponisten lassen können. 1951 besuchte der gelernte Bäcker die ersten Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon 1952 hielt er seinen ersten Vortrag über die damalige Parsifal-Inszenierung Wieland Wagners. Seine Vortragstätigkeit weitete Lienhart ab 1960 auf ganz Deutschland aus, ehe er 1962 zum ersten Vorsitzenden des Freiburger Richard-Wagner-Verbandes gewählt wurde.

Sein weiterer Weg in die Mitte der Wagner-Freunde führte Lienhart 1982 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden und 1988 zum ersten Bundesvorsitzenden des Richard-Wagner-Verbandes. 1991 wurde er schließlich in Lyon zum ersten Präsidenten des Richard-Wagner-Verbandes International gewählt. Der RWVI vereinigt an die 150 Wagner-Verbände mit weltweit 40.000 Mitgliedern in rund 40 Ländern der Erde.

Stephan Herbert Fuchs

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