Parsifalwörterbuch • Heiltum

»Dem Heiltum weihe er das Heiligtum«, singt Gurnemanz über Titurels Gralstempelgründung.

Im Heiligtum werden die Heiltümer Schale und Lanze verwahrt, also die Reliquien, die an Christi Abendmahl und seinen Tod erinnern. Im Wort, das erstmals im Mittelhochdeutschen im konkreten Sinne von »Reliquie« erscheint, steckt der Kernbegriff Heil, der schon in der gotischen Sprache (hails) bezeugt ist (vielleicht leitet es sich vom sanskritisch belegten kalya-s: gesund ab). Im heutigen heil ist seine erste Bedeutung noch enthalten: unverletzt, gesund.

Schon früher wurde der Begriff Heiland gebildet und auf Christus bzw. Gott gemünzt (Wagner bringt im Parsifal ausschließlich diese sprechende Bezeichnung für den ungenannten Christus). Mit ihm hängen die Reliquien zusammen, die – bei der Berührung – dem Menschen Heil erweisen sollen, indem sie ihn geistig und/oder körperlich gesund machen sollen: wie Amfortas und all die anderen.

Da Parsifal in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan steht, haben wir uns vorgenommen, jeden Monat einen besonderen Begriff aus Wagners Wortschatz vorzustellen. Unser Autor ist der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek.

Ein Kommentar zu “Parsifalwörterbuch • Heiltum

  1. Herzlichen Dank für den neuen Beitrag zum Parsifal-Wörterbuch über „Heiltum“. Gurnemanz singt jedoch im ersten Akt: „Dem Heiltum baute er das Heiligtum“ und nicht „weihe er das Heiligtum“. Mit ganz herzlichen Grüßen an alle und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr bei den Festspielen Karl Ruoff mit Frau und Familie

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