17. Oktober 1966 • Wieland Wagner stirbt in München

Wieland Wagner

Wieland Wagner

Noch nicht einmal fünfzig Jahre alt ist Wieland Wagner geworden – ein für seine Familie unterdurchschnittliches Todesalter. Und doch hat er zu seinen Kindern im Münchner Krankenhaus gesagt, er sei froh zu sterben – ein Satz, an den sich seine Tochter Nike noch heute mit Entsetzen erinnert.

Aufgewachsen in Wahnfried, war er nicht nur umgeben von der Geschichte des Hauses und der Festspiele – seine Großmutter, seine Tanten, seine Mutter: dominante Frauen prägen die frühe Kindheit.(1) Dazu kommt, dass er als Thronfolger für die Festspielleitung angesehen wird, zumindest von seiner Mutter, sein Vater wollte gern all seinen Kindern gleiche Chancen einräumen.

Wieland und Wolfgang, wie sie Hitler beim Besuch in Wahnfried erlebten

Wieland und Wolfgang, wie sie Hitler beim Besuch in Wahnfried erlebten

Der Mann, der nach dem Tod seines Vaters an Bedeutung gewinnt, ist regelrecht vernarrt in den Wagnerenkel, und seine Zuneigung wird handfester Vorteil, als er sich zu Deutschlands »Führer« machen lässt. Während Wielands Bruder Wolfgang in den Krieg muss und verwundet wird, lässt ihn »Onkel Adolf« vom Kriegsdienst befreien.

Ursprünglich von Malerei und Fotografie (er verdient sich ein stattliches Taschengeld mit dem Verkauf von Porträtfotos, sogar von Hitler autorisierten) kommend, entdeckt er eine Leidenschaft für das Bühnenbild. In Altenburg bringt er 1942 seine Interpretation des Rings im eigenen Bühnenbild heraus. (Hier Aufnahmen von den Bayreuther Proben 1965)

Seine Versuche, die Mutter als Festspielleiterin abzulösen, werden von Hitler gebremst, die Gelegenheit dazu erhält er erst nach dem Krieg, als er gemeinsam mit Wolfgang die Festspielleitung im nun »geläuterten« Bayreuth übernimmt.

Er versteht es, den Aufbruch in neue Theaterzeiten auf dem Grünen Hügel glaubhaft zu vermitteln, zumindest können seine Nachrufe nicht darüber hinwegsehen, dass er sich »neben Günther Rennert und Walter Felsenstein als einer der großen deutschen Opern-Regisseure seiner Zeit entpuppt« hat.(2)

»An Ernst, Theaterleidenschaft und rastlosem Einsatz für ihre Idee haben (die deutschen Opernregisseure) Wieland Wagner nicht übertreffen können«, schrieb Heinz Josef Herbort damals in der ZEIT.

Fünfzig Jahre nach seinem Tod sind womöglich noch nicht weit genug entfernt, denn eine vom Richard-Wagner-Museum geplante Podiumsdiskussion zu Wieland Wagner wurde auf Intervention der Oberbürgermeisterin hin wieder abgesagt.(3)(4)

In einer Dokumentation von Tony Palmer äußern sich seine Kinder über ihren Vater – auch Anja Silja, die mehr für ihn als nur Geliebte war, kommt zu Wort.

Nike Wagner hat unlängst ein Interview über ihren Vater gegeben, das hier nachzulesen ist.

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