Erste Pressestimmen zu den Meistersingern

Barrie Kosky ist in der langen Festspielgeschichte der erste jüdische Regisseur, der im Festspielhaus inszeniert. Wie sich das gay jewish kangaroo in der oberfränkischen Kleinstadt zurechtgefunden hat, erzählte er gegenüber der New York Times.

Beim Publikum der Premiere kam seine Meistersinger-Neuinszenierung ganz offensichtlich sehr gut an, 17 Minuten Applaus sollten das unterstreichen.

Nicht so einfach tun sich die Rezensenten, die mitunter Schwierigkeiten hatten, das Regiekonzept zu verstehen.

Am ehesten noch erkennt Christiane Peitz die zahlreichen Referenzen in der Personenführung, dem Bühnenbild und im Umgang mit Textstellen. Im Tagesspiegel spricht sie davon, dass die Inszenierung »ein Ereignis (ist). Weil Kosky Wagner-Biografie und -Musik kurzschließt, dass die Funken sprühen. Weil er die Partitur bis in einzelne Noten durchdringt, sie zudem mit ihrer Rezeptionsgeschichte auflädt und mit der Gegenwart samt ihren aktuellen Nationalismen und Ausgrenzungsmechanismen. Oper at its best: Familienaufstellung und Phantasmagorie, Manie und Magie, Kasperletheater, Verführungskunst, Traumaforschung. Man sieht, was man hört, ist betört, verstört.«

Bernhard Neuhoff blickt für BR Klassik freundlich, aber nicht durchweg erfreut auf Koskys Wagnerinterpretation. Seine Begeisterung gilt Michael Volle: »Volle ist Sachs, Volle ist Wagner, Volle singt von Wahn und Liebe und zeichnet einen Charakter von faszinierender Ambivalenz.«

Die ZEIT gibt Christine Lemke-Matwey viel Raum zur Präsentation ihres Unverständnisses, denn sie erblickt Rätsel in Regieeinfällen, die anderen offensichtlich erschienen. Ihr Fazit: »Enttäuschend konventionell geraten sind ausgerechnet die „schönen Stellen“: die Monologe des Sachs, die Schusterstube, das Quintett. Mit dem Weltabschiedsweben der Meistersinger, mit Fliederduft und Volkston hat Kosky nicht viel am Hut.«

Als »hinterfotzigen Personenbeschäftiger« bezeichnet Markus Thiel den Regisseur Barrie Kosky in seiner Kritik für den Merkur. Er hält die Regieeinfälle nicht für überzeugend: »Was Wahnfried und der Nürnberger Prozess wirklich mit den „Meistersingern“ zu tun haben, zeigt Barrie Kosky nicht.«

Christian Wildhagen erkennt in seinem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung Parallelen zwischen Herheim und Kosky, ist aber nicht vollends vom Regiekonzept überzeugt. »Weite Teile des zweiten und des dritten Aktes bleiben im Spielopernhaften stecken – handwerklich solide, aber fad; und hätte Kosky mit Michael Volle als Sachs und Johannes Martin Kränzle als Beckmesser nicht zwei so überragende Sänger-Schauspieler auf der Bühne, das Ganze bliebe weit hinter der konzeptuell zugespitzten Einstandsinszenierung von Katharina Wagner aus dem Jahr 2007 zurück, die den Mut hatte, das Rollenbild der beiden Protagonisten nach und nach in ihr Gegenteil kippen zu lassen, den Meister-Dichter also zum Spiesser, den Kritikus aber zum Avantgardisten aus Notwehr zu machen.«

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