Freunde treffen Freunde • Patric Seibert

Plaudern bei Freunden: Udo Schmidt-Steingraeber, Patric Seibert, Ina Besser-Eichler und Wolfgang Wagner vom Kuratorium der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth Foto: Fuchs

Den Auftakt der diesjährigen Reihe »Freunde treffen Freunde« machte am 6. August Patric Seibert, der in den Kammermusiksaal der Klaviermanufaktur Steingraeber gekommen war. Nach ihrer Premiere im Wagnerjahr 2013 ist die »Ring«-Inszenierung von Frank Castorf in dieser Spielzeit ein letztes Mal zu sehen – sein Regieassistent zog nun eine Bilanz dieser fünf Jahre.

Seibert ist Dramaturg, Schauspieler und Regieassistent und kommt aus Berlin. Er ist nicht nur ein wichtiger Mitarbeiter des »Ring«-Regisseurs, er hat auch stumme Rollen, etwa im »Rheingold« als Barkeeper oder in der »Walküre« als Arbeiter.

Einen Vorwurf lässt Seibert nicht gelten: Castorf habe keine Achtung vor der sängerischen und musikalischen Leistung, ihm komme es nur auf ein faszinierendes Volksbühnenspektakel an. Frank Castorf wisse die Leistung der Sängerinnen und Sänger sowie der Musiker im Orchester sehr wohl zu schätzen, sagte Seibert. Er gab auch zu bedenken, dass  Richard Wagner eben nicht nur Komponist war, sondern immer das gesamte Theater im Blick hatte.

Den Inszenierungsstil Castorfs beschrieb Seibert als eine Art Free Jazz. Castorf möchte kein Spiel im klassischen Sinne, ihm komme es auf echte Wut und echte Gefühle an. Für die Sänger wie für das Haus könne dies »die Hölle« sein. Doch wenn vieles aus dem Moment heraus geboren werde, dann sei es auch immer sehr ehrlich. Allerdings funktioniere das Konzept nur, wenn sich die Sänger auch darauf einlassen. Aufgrund der großen Bilderflut wäre manchmal aber nicht nur das Haus, sondern auch das Publikum überfordert.

»Im Mittelpunkt der Inszenierung steht das Öl als verfluchtes Gold, das wir alle brauchen, das uns glücklich aber auch total kaputt macht«, so Seibert. Deshalb beginne der Castorf-»Ring« in Russland, und zwar in Baku, das als Keimzelle der russischen Revolution und als Zentrum der Ölförderung galt. Als »Ort zum Fürchtenlernen« habe Castorf den Berliner Alexanderplatz die sozialistische Realität im »Land der Plaste und Elaste« gegenübergestellt. Die marxistisch-leninistische Idolatrie findet ihren Ausdruck im Mount-Rushmore-Felsen mit den Köpfen von Lenin, Stalin, Marx und Mao. Die Route 66 deutete er als Symbol der Freiheit.

Warum gerade das Öl eine derart herausragende Rolle einnimmt, erläuterte Seibert mit der Tatsache, dass das Öl das einzige war, was Russland auf dem Weltmarkt gegen Dollars verkaufen konnte. Die Folgen dieser Ölabhängigkeit würden im »Siegfried« thematisiert.

Stephan Herbert Fuchs

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