Freunde treffen Freunde • Uwe Eric Laufenberg

Uwe Eric Laufenberg in der Steingraeber Klaviermanufaktur (Foto: Fuchs)

»Du kannst alles machen, nur nicht das, was in der Regieanweisung steht«, lautete der Tipp eines befreundeten Regisseurs an Uwe Eric Laufenberg, den Regisseur des aktuellen Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. Für den Parsifal gilt die Regel freilich nur bedingt. Allegorische Musik, religiöse Mystik, Weihrauch, das unsagbare Leiden von Jesus Christus als Grundmythos: das alles macht das Bühnenweihfestspiel so außergewöhnlich. Bei der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth sprach Laufenberg über seine Parsifal-Inszenierung, die von Anfang an mit einigen Missverständnissen zu kämpfen hatte.

Als völliges Missverständnis bezeichnete es Laufenberg, wenn es im Vorfeld geheißen habe, dass er eine Islam-Inszenierung machen würde. Davon könne keine Rede sein. Auch habe er die Inszenierung nicht etwa in der Schublade gehabt, wie es immer hieß, als er im vergangenen Jahr den Einspringer für den umstrittenen Jonathan Meese gab.

Laufenberg hat seine Inszenierung mit jeder Menge religiöser Symbolik aufgeladen. Dabei riskierte er auch einen Blick auf den Tempelberg von Jerusalem. Wie hier um jeden Zentimeter an Symbolik gekämpft wird, da würden die Irrsinnigkeiten und der Wahnsinn von Religion für jeden sichtbar. »Vielleicht ist es der Grundmythos des Stückes, dass man es gar nicht verstehen soll«, sagte Laufenberg dazu, der sich selbst als Katholik outete.

Zum Werkstattgedanken merkte Laufenberg an, dass man immer wieder neue Details finde, gerade wenn es in der Besetzung Veränderungen gebe. Eine Verpflichtung zur Veränderung gebe es allerdings nicht, so der Regisseur, der dabei auch an Wieland Wagner erinnerte. Für den sei der Parsifal dessen einzige Inszenierung gewesen, an der er nichts verändert habe. Freilich könne der Werkstattgedanke manchmal auch nur eine Ausrede bei heftig umstrittenen Inszenierungen sein.

Vielleicht sei der Karfreitagszauber das Größte, was Richard Wagner jemals komponiert hat, so Laufenberg, auch wenn anderes – wie der Walkürenritt – spektakulärer sein mag. In seiner Musik sei Richard Wagner seiner Zeit weit voraus gewesen, eine adäquate bildnerische Umsetzung habe er dagegen zu seiner Zeit nicht gefunden.

Nachdem der »Ring des Nibelungen« bei seiner Uraufführung in Bayreuth ein komplettes Fiasko war, sei der Parsifal die letzte Karte für Richard Wagner gewesen. Dem Komponisten sei es gelungen, sich damit zu sanieren, der Schott-Verlag als Inhaber der Verlagsrechte und als Herausgeber der Klavierauszüge habe damit Millionen verdient. Als Alleinstellungsmerkmal für den unglaublichen Erfolg wertete es Laufenberg, dass der Parsifal bis zum Auslaufen der Rechte 1913 nur in Bayreuth aufgeführt werden durfte. »Der ganze Nimbus des Parsifal hat mit Bayreuth zu tun«, sagte der Regisseur, der noch in den 1980er Jahren verkündete, mit dem Parsifal so gar nichts anfangen zu können.

Ein wenig plauderte Laufenberg aus dem Nähkästchen, als er verriet, dass es gar nicht so einfach gewesen sei, am Ende seiner Parsifal-Inszenierung die Türen des Zuschauerraums zu öffnen. »Manche Türen haben gequietscht, die hätte man ölen müssen«, sagte er, der bewusst auch eine Öffnung des Heiligtums erreichen wollte. Insgesamt sei es aber ein »toller Effekt« gewesen.

Ein wenig Bedauern war aus den Worten Laufenbergs schon herauszuhören, dass Dirigent Hartmut Haenchen den Parsifal im kommenden Jahr nicht mehr leiten und stattdessen an Semyon Bychkov abgeben wird. Haenchen habe sich die Partitur wie kaum ein anderer Dirigent vorgenommen und sei dabei auf zahlreiche Veränderungen eingegangen, die Uraufführungsassistent Felix Mottl für den Uraufführungsdirigenten Hermann Levi im Namen Richard Wagners vorgenommen hatte.

Stephan Herbert Fuchs

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