Meistersingerwörterbuch • Taufe

Am Beginn der Oper wird im Gemeindechoral an die Taufe Jesu durch den Täufer Johannes erinnert. Im 3. Akt wird von Hans (!) Sachs eine neue Meister-Weise »getauft«: »Ein Kind ward hier geboren. […] Weil wir die Weise wohl vernommen, sind wir zur Taufe hierher gekommen.« Bei den historischen Meistersingern gab es keinerlei Taufe nach der Geburt eines neuen Liedes; Taufe bezeichnete bei ihnen lediglich die Aufnahme eines Mitgliedes in die Meistersinger-Zunft. Wagner benutzt den kirchlichen Begriff, um die Vergöttlichung der (d.h. seiner originellen musikalischen) Kunst in einem prägnanten, aufs Neue Testament bezogenen Ritus zu versinnbildlichen.
Das Wort kommt schon im Gotischen vor: daupeins. Es hängt mit dem Wort »tief« zusammen: »dass man tief ins Wasser senket, was man teuffet«, so Luther.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

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