Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Gebot

Als der König sie auffordert, nach »des Reiches Recht zu dingen«, rufen die Brabanter ihm zu: »Wir geben Fried und Folge dem Gebot«. Der Begriff ist bereits im Althochdeutschen bezeugt: als »kapot« und »gipot«. Mit dem Gegenteilswort »Verbot« verbindet ihn das Suffix »bot«. Interessanterweise erscheinen die beiden Termini oft zusammen: »gebieten und verbieten«, denn ein »Verbot« ist oft auch ein »Gebot«.

Wagner meint hier weniger die allgemeine »Gerichtsbarkeit« oder (herscherliche bzw. juristische) Gewalt an sich, sondern konkret die »Weisung« oder den »Befehl«, also eine befohlene Verpflichtung. »Befehl« bedeutet ursprünglich »Auftrag« – König Heinrich hätte Gründe, sich zu beschweren, würden die an die Schelde befohlenen Brabanter sich weigern, seinen Auftrag des Heerbanns nicht zu erfüllen.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

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