Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Schuld

Der Begriff erscheint im Textbuch nicht weniger als zwölf Mal und gehört zu den moralisch umstrittensten der Rechtsgeschichte. Zu Beginn der Wortgeschichte bezeichnet das altgermanische (erschlossene) »skuldi« (vom Verb «skulan« = »sollen« abstammend) schlicht die Zahlungsverpflichtung. Das erweiterte sich während des Mittelalters in Richtung anderer Verpflichtungen / Leistungen / Abgaben; so spricht man heute noch von »Schuldigkeiten«. Dann wurde das Wort »schult« auf ein Unrecht übertragen, das – im Sinne der Zahlung einer moralischen bzw. sündhaften »schulde« – gesühnt werden musste. »Sünde und Schuld« gehören im Mittelalter oft zusammen – so wie im »Lohengrin«, in dem Elsa von Telramund der Sünde des Brudermords angeklagt wird.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

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