Festspiel-Steckbrief • Andrea Dorn

Andrea Dorn vor dem Kühlschrank mit hausgemachtem Theaterblut

Maskenbildnerin bei den Bayreuther Festspielen seit 2008

Ursprünglich stamme ich …

… aus der Nähe von Bamberg. Nach meiner Ausbildung zur Maskenbildnerin am Staatstheater Nürnberg war ich in Hannover, bei Stuttgart und in Leipzig tätig. Aber auch vorher habe ich viel ausprobiert. Nach einer Ausbildung zur Altenpflegerin habe ich in einem Heim für schwer erziehbare Kinder gearbeitet. Außerdem war ich in der Restaurierung tätig, kenne mich also auch mit Fassmalerei und Vergoldung aus. Das alles kann ich in meinem jetzigen Beruf gut einbringen, weil ich als Maskenbildnerin ja immer sehr nahe am Menschen dran bin.

Als Maskenbildnerin bei den Bayreuther Festspielen …

… bin ich in der Probenzeit vor allem mit dem Einkochen von Blut beschäftigt, dieses Jahr wird es für Parsifal, Tristan und Isolde, Die Walküre und Der fliegende Holländer benötigt. Außerdem bin ich hier im Herren-Solo beschäftigt, mache Perücken, fertige Bärte an, schaue, ob alles intakt ist oder ob ich noch was von anderen übernehmen kann, wie etwa Abdrücke von Künstlern erstellen, aus denen dann Gips- oder Schaumköpfe hergestellt werden … Eigentlich bin ich eher so der Typ „Handwerker“, habe mich aufs Painting spezialisiert, mache gerne Gesichtsteile oder stelle eben Blut her. Wenn es irgend etwas gibt, was besonders eklig ist, dann mache das inzwischen meist ich!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

An einem normalen Festspieltag …

… komme ich etwa um 13 Uhr und schaue zunächst, ob ich noch eine Perücke frisieren muss, dann richte ich meine Solo-Garderobe ein und schminke die Künstler. Nach Beginn der Vorstellung betreue ich die Umzüge, bessere das Make-up nach, schaue, ob Bärte oder Koteletten noch so sitzen, wie sie es sollten oder ob sich Perücken gelöst haben. Nach der Vorstellung helfe ich dann, die Perücken abzunehmen sowie beim Abschminken, anschließend reinige ich die Perücken. Manche wasche ich auch noch – wenn die zum Beispiel Blut abbekommen haben – und dann ist der Tag so gegen 22 Uhr halbwegs gelaufen. Ich hab mir mal aus Spaß ein Fitness-Armband gekauft und festgestellt, dass ich an einem normalen Festspieltag an die 11.000 Schritte zusammenbringe!

Meine Arbeit am Grünen Hügel ist einzigartig, weil …

… wir hier die Chance haben, tolle Arbeiten auf hohem Niveau mit sehr guten Materialien zu machen. Es ist gibt in Bayreuth sowohl fachlich als auch menschlich einen sehr großen Austausch, weil so viele Kollegen aus unterschiedlichen Theatern da sind. Dadurch lernt man in unserem Beruf eigentlich immer dazu.

Ein besonderes Erlebnis bei den Festspielen …

… war die Herstellung der Rattenkostüme für die Lohengrin-Inszenierung von Hans Neuenfels. Ich habe dafür an die 200 Rattenschwänze geschäumt, anschließend hatte ich tatsächlich Probleme mit dem Arm! Es gibt auch wahnsinnig viele schöne Momente, zum Beispiel wenn man an der Bühne steht und alles zum ersten Mal sieht. Das ganze Flair bei den Festspielen ist einfach besonders, gerade bei der Premiere, wo alle noch sehr nervös sind. Das ist stressig, aber schön!

Die Musik Richard Wagners …

Mag ich sehr gerne. Ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, als ich die Meistersinger gesehen habe. Ich hab schon im Film-, im Schauspiel- und Musicalbereich gearbeitet, aber ich stelle immer wieder fest, dass ich Oper – außer den Mozart-Opern – einfach am liebsten mag.

Wenn ich nicht gerade am Grünen Hügel bin, …

… toure ich als freie Maskenbildnerin durch ganz Europa. Wann immer es geht, versuche ich, Urlaub in Thailand zu machen. Außerdem mache ich sehr viel Sport, vor allem Krav Maga, eine israelitische Kampfkunst. Inzwischen lebe ich in Berlin, aber manchmal kommt in mir doch der Franke durch: Ich liebe Bier, gerade die fränkischen Sorten. Wenn es zeitlich geht und ich meine Freunde treffen kann, dann bin ich im Biergarten.

Jahr für Jahr wird es während der Festspiele am Grünen Hügel lebendig. Danach, so scheint es, fällt das Festspielhaus in einen langen Winterschlaf, um erst im darauffolgenden Sommer wieder zum Leben erweckt zu werden. Doch der Schein trügt: Etwa 80 Mitarbeiter sind ganzjährig bei den Festspielen beschäftigt, im Sommer sind sogar an die 1000 Menschen in den Theaterbetrieb eingebunden. Die meisten von ihnen bleiben dabei für die Gäste im Verborgenen. Wer diese Menschen sind und welche Aufgaben sie haben, stellen wir an dieser Stelle vor.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.