Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Zins versagen

»Zu End ist nun die Frist, der Zins versagt«, bemerkt König Heinrich, nachdem neun Friedensjahre vergangen sind und die Ungarn von Neuem gegen die deutschen Ritter rüsten. Der Begriff geht auf das lateinische »census« zurück und meint nicht unsere (freilich wortverwandten) »Zinsen«, sondern bezeichnet wie im Althochdeutschen die »Abgabe« oder den »Tribut«. »Versagen« geht auf die mittelhochdeutsche Bedeutung »verweigern« zurück. In diesem Sinne konnte man sich von einem Herren lossagen. Der König meint also, dass die Ungarn ihrem (deutschen) Herren nicht mehr den schuldigen Tribut entrichten, indem sie ihm den Frieden verweigern.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

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