Freunde treffen Freunde • Axel Kober

Axel Kober mit Ina Besser-Eichler und Udo Schmidt-Steingraeber

 

Für Musiker und Dirigenten im mystischen Abgrund des Festspielhauses herrschen derzeit Extrembedingungen. »40 Grad hat es bestimmt und eine gefühlte Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent«, sagt der diesjährige Dirigent des Fliegenden Holländer, Axel Kober. Bei »Freunde treffen Freunde« in der Klaviermanufaktur Steingraeber ließ der 48-Jährige in lockerem Plauderton die bisherigen Stationen seiner Karriere Revue passieren, sprach über sein Verhältnis zu Richard Wagner und berichtete von der schweißtreibenden Arbeit im Orchestergraben.

Natürlich dirigiere er nicht im Frack, sondern in Jeans und T-Shirt; den Frack streife er sich nur für den Applaus über. »Auch die Musiker sitzen da alle in Zivil, je nach Temperatur mehr oder weniger bekleidet«, sagte Kober und berichtete von der zurückliegenden Holländer-Aufführung, als die gesamte Holzbläserreihe barfuß und in Shorts erschienen war. »Es ist aber auch wirklich verdammt heiß«, so der Dirigent, der von extremen Schwierigkeiten besonders für die Bläser sprach. Aber auch Streichinstrumente würden sich viel schneller als sonst verstimmen.

Axel Kober, der wohl der erste Oberfranke am Pult des Festspielorchesters ist, wurde 1970 in Kronach geboren und wuchs in Steinwiesen auf. Er besuchte die Musikschule in Bayreuth, musizierte im Jugendsymphonieorchester Oberfranken. Schon sehr früh hat er Klavier und Geige gelernt und bereits mit zwölf Jahren in der katholischen Kirche seiner Heimatgemeinde Orgel gespielt. Mit siebzehn besuchte er zwei Jahre lang eine internationale Schule bei Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico und schloss mit dem internationalen Abitur, ehe er ein Dirigierstudium an der Musikhochschule in Würzburg begann.

»Ich war immer in Sachen Musik unterwegs«, so Kober, dessen erste Station die des Korrepetitors am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin war. »An diesem Haus wurde damals wirklich noch das ganze große Repertoire gespielt«, erinnert sich der Dirigent. Dazu gehörte auch schon bald Richard Wagner. Gleich in seinem ersten Jahr durfte er 1994 die kompletten »Meistersinger« einstudieren. Am Himmelfahrtstag 2000 sprang er an seiner zweiten Station, der Oper Dortmund, von jetzt auf gleich für einen 3. Aufzug im Tristan ein. Nach einem kompletten Tristan und seinem ersten Tannhäuser folgte das Engagement in Mannheim als zweiter Dirigent hinter Adam Fischer und »dem unglaublichen Glück«, nach und nach den gesamten Wagner inklusive einer Wiederaufnahme des »Ring des Nibelungen« dirigieren zu dürfen.

»Bei mir war immer alles eng mit Wagner verbunden«, so Kober, der 2007 von Mannheim aus nach Leipzig in die Geburtsstadt Richard Wagners wechselte und dort mit Riccardo Chailly die Leitung der Oper übernahm. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Kober nun Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein. In Bayreuth debütierte er 2013 mit dem Tannhäuser in der umstrittenen Inszenierung von Sebastian Baumgarten, 2015 folgte dann der Fliegende Holländer in der Inszenierung von Jan Philipp Gloger.

»Mit dem Festspielorchester ist es schon ein ganz besonderes Musizieren«, sagte Kober. Er sprach von der »Crème de la Crème« der Musiker, die sämtliche Stücke auswendig kennen und Jahr für Jahr freiwillig nach Bayreuth kommen. Das alles sei schon sehr inspirierend und spannend. »Man ist bemüht, jede Stelle so aufregend wie möglich zu gestalten.«

Stephan Herbert Fuchs

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