Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Zeihen

Ohne das »Zeihen« kommt das Lohengrin-Libretto nicht zum zentralen Anklagefall. »Des Brudermordes zeih‘ ich sie«, singt Telramund, »der sie so schwer zu zeihen wagte«. Im Alt- und Mittelhochdeutschen bedeutet das juristische Verb »zīhan« und »zīhen« an- bzw. beschuldigen. Im »Bezichtigen« ist das ursprüngliche Wort noch vorhanden: Da der Bezichtiger – in diesem Fall auf Elsa – hinweist und damit zeigt, ist die Verwandtschaft mit dem sanskritischen diśáti (zeigt, führt vor, legt dar), dem griechischen »deiknýnai« (zeigen) und dem lateinischen »dīcere« (sprechen, sagen) offensichtlich. Das genaue Gegenteil ist das »verzeihen«; diese Wortbedeutung entsteht seit dem 15. Jahrhundert: Wer verzeiht, verzichtet auf seinen Rechtsanspruch zur Wiedergutmachung, wenn er dem Schuldigen vergibt: so wie Lohengrin partiell Telramund verzeiht, als er ihm nach dem Zweikampf sein Leben lässt.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Drei Generationen • Wagner-Symposium in Berlin

Anlässlich des 180. Geburtstages von Cosima Wagner, des 150. Geburtstages von Siegfried Wagner und des 100. Geburtstages von Friedelind Wagner lädt der Richard-Wagner-Verband Berlin-Brandenburg zu einem Symposium am 11. und 12. November 2018 in die Deutsche Oper Berlin ein. Neben Vorträgen, Künstlergesprächen (Evelyn Herlitzius) und einem Liederabend (Anja Silja) steht der Besuch von Lohengrin auf dem Programm – mit namhaften Wagner-Sängerinnen und -Sängern, wie unter anderen Camilla Nylund, Günter Groissböck und Klaus Florian Vogt. Das komplette Programm finden Sie hier.

Der Richard Wagner-Verband Berlin-Brandenburg wurde im Jahre 1871 gegründet und zählt somit zu einem der ältesten Wagner-Verbände. Inzwischen hat der Verein rund 250 Mitglieder, jährlich ermöglicht er fünf Stipendiaten aus aller Welt den Besuch der Bayreuther Festspiele. Mehr als 130 regionale Richard-Wagner-Verbände gibt es derzeit weltweit, die meisten von ihnen vereinigen sich unter dem Richard-Wagner-Verband-International, viele von ihnen sind Mitglied der Freunde von Bayreuth.