Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Schutz

Zehnmal hat man es im Textbuch mit »Schutz« und »schützen« zu tun. »Willst du wohl ohne Bang‘ und Graun / Dich meinem Schutze anvertraun? «, fragt Lohengrin Elsa, bevor er zum »Schützer von Brabant« avanciert, der Elsa vor der Klage und das Land vor den Ungarn ausdrücklich beschützen soll. Beschützen kann nur der, der über Waffen verfügt – ein mittelalterlicher »Schütze« (im Althochdeutschen hiess er noch »scuzzo«) war jemand, der mit einer Schusswaffe schoss und damit im Verteidigungsfall etwas dämmte; die Englänger kennen noch das diesbezügliche Verb »shut«. »Schiessen« bedeutete ursprünglich »versperren« oder »einen Riegel vorstoßen«. Wer keine Waffe hatte, konnte, indem er sich auf die älteste Bedeutung des Wortes besann, wenigstens als Wächter fungieren – so wie der (Be)schützer Lohengrin, der, wenngleich erfolglos, die Frage Elsas aufhalten will.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

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