Tannhäuserfiguren • Walther von der Vogelweide

Geboren wurde er wohl um 1170, doch wo: es ist nicht bekannt. Er starb um 1230, vielleicht in Würzburg, wo man möglicherweise den Ort seines Grabes im Kreuzgang des Neumünsters besuchen kann. Unbestritten ist jedoch sein Rang: Er gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Schon die großen Zeitgenossen Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg haben ihn so gesehen. Die Meistersinger zählten ihn zu den zwölf alten Meistern.

Zunächst lebte er vermutlich beim Babenberger Herzog Friedrich I. von Österreich in Wien, dann am Hof Philipps von Schwaben. Über seinen Aufenthalt in Eisenach ist relativ viel bekannt, wo er bei Landgraf Hermann den Kollegen Wolfram von Eschenbach traf. Möglicherweise hatte er auch Kontakte zum Wittelsbacher Herzog Ludwig I. Später schloss er sich dem Welfen Otto IV. an, auch andere Gönner sind aus seiner Lyrik bezeugt. Wichtig ist seine politische Lyrik. Seine Minnegedichte verteidigen, neben jenen Liedern, in denen es um die »hohe« Minne geht, das Konzept der so genannten »niedrigen« Minne: der Sänger preist – in vollem Gegensatz zu Wagners Walther von der Vogelweide – häufig die sexuell erfüllte und gegenseitige Liebe zu einer Frau, die nicht dem Adel angehört. Walther hat also, nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge (denn die Gedichte sind kaum datierbar), die verschiedensten Ideen der Liebe in seinen Gedichten charakterisiert.

Die meisten Figuren, die Richard Wagner in seinem Tannhäuser untergebracht hat, sind Personen der Geschichte, andere entstammen der Mythologie. Doch auch die historisch verbürgten Gestalten entsprechen nur teilweise dem, was wir über sie wissen. Da genau zehn Protagonisten solistisch auftreten und zwei kleine singende Gruppen gewöhnlich aus dem Personal des Chors besetzt werden, bietet es sich im Jahr der Neuinszenierung des Tannhäuser an, diese zwölf Personen und Kleingruppen von Frank Piontek auf ihre historische Realität überprüfen zu lassen.

Ein Kommentar zu “Tannhäuserfiguren • Walther von der Vogelweide

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