Freunde treffen Freunde • Tobias Kratzer

Tobias Kratzer (Foto: Fuchs)

Venus als Vision, Tannhäuser als Clown und der Dirigent Valery Gergiev: Das Publikum hatte viele Fragen an Tobias Kratzer. Bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth in der Klaviermanufaktur Steingraeber stellte sich der Tannhäuser-Regisseur diesen Fragen und musste dabei feststellen, dass ein großer Redebedarf bezüglich seiner Neuinszenierung besteht.

Dabei ist es gar nicht so einfach, dem vielfach ausgezeichneten Regisseur eine Frage zu stellen, denn meist antwortet Tobias Kratzer mit einer Gegenfrage. Dafür plaudert er dann auch gern aus dem Nähkästchen. Von den vielen Aspekten, die in seiner Venus steckten, und von ihrer Vision, eine bessere Welt zu schaffen, »wenn auch nicht mit den moralisch besten Mitteln«.
Warum taucht Tannhäuser als Clown auf, wollte eine Zuhörerin wissen, und Kratzer machte deutlich, dass er diese Frage gar nicht so eindeutig auflösen möchte. Er sprach von Assoziationen zum Straßentheater, zur Avantgarde und zum Kabarett bis hin zum bekannten Roman »Die Ansichten eines Clowns« von Heinrich Böll. Dann gab der Regisseur aber doch das Bild des »nicht-d´accord-Gehens« mit der Gesellschaft preis, das ihn dazu gebracht habe. »Dieser Mann möchte ein anderer sein, letztlich ist er aber doch ein Normalo, denn durch Schminke und Kostüm wird er kein anderer«, sagte Tobias Kratzer über seine Tannhäuser-Figur.

Der Regisseur verrät auch ganz pragmatische Dinge. Zwei Mal habe er sich mit dem Dirigenten Valery Gergiev getroffen, beim Essen in Berlin zusammen mit Katharina Wagner. Dabei habe er dem Dirigenten sein Regiekonzept ausführlich erläutert. Während der eigentlichen Proben habe es keine inhaltlichen Kontakte mehr gegeben, Gergiev sei aber immer informiert worden. Später bei den Orchesterproben hätte die Inszenierung natürlich längst gestanden, inhaltliche Änderungen habe es keine gegeben: »Und am Schluss haben wir uns zusammen verbeugt«, so Tobias Kratzer über sein Verhältnis zu dem nicht unumstrittenen Dirigenten, der im kommenden Jahr von Axel Kober abgelöst wird.
Insgesamt trage Kratzer den Tannhäuser bereits seit Frühjahr 2014 mit sich herum. Damals sei die Anfrage aus Bayreuth an ihn herangetragen worden. Konkret habe er dreieinhalb Jahre an der Konzeption gearbeitet, dabei aber auch immer wieder andere Projekte verwirklicht. In Bayreuth gab es dann drei Wochen Vorbereitung und sechs Wochen lang Proben mit den Solisten. Für Tobias Kratzer eine »extrem lange Vorbereitungszeit«, normal sei die Hälfte.
Die Neuinszenierung in Bayreuth ist die zweite Tannhäuser-Deutung von Tobias Kratzer. Bereits in der Spielzeit 2011/2012 hatte er die Oper am Theater Bremen inszeniert.

Stephan Herbert Fuchs

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