Tannhäuserfiguren • Drei Grazien

Die römischen Grazien entsprechen den griechischen Chariten, die als »Untergöttinnen« den Göttern dienend zur Seite stehen: insbesondere Aphrodite/Venus. Gezeugt wurden sie von Zeus, doch die antiken Schriftsteller nannten nicht weniger als zehn verschiedene Mutternamen, auch unterschiedliche Eltern, z.B. Hekate und Hermes oder Dionysos und Hera. Hesiod kannte drei Grazien: Aglaia (»die Glänzende« oder »Strahlende«, bei Hesiod Gemahlin des Hephaistos), Euphrosyne (die »Frohsinnige«) und Thalia (»die Festfreude« oder »die Blühende«). Der Römer Cornutus ließ sie von der Freude (»chara«, lateinisch »gratia«) abstammen. Da sie, die gelegentlich auch als Mondgottheiten auftraten, nach Vergil Kinder des Bacchus und der Venus waren, ergibt sich wie von selbst die abendlich-nächtliche Kombination »Wein und Weib«, wozu bei Wagner noch Tannhäusers Gesang kommt.

Die meisten Figuren, die Richard Wagner in seinem Tannhäuser untergebracht hat, sind Personen der Geschichte, andere entstammen der Mythologie. Doch auch die historisch verbürgten Gestalten entsprechen nur teilweise dem, was wir über sie wissen. Da genau zehn Protagonisten solistisch auftreten und zwei kleine singende Gruppen gewöhnlich aus dem Personal des Chors besetzt werden, bietet es sich im Jahr der Neuinszenierung des Tannhäuser an, diese zwölf Personen und Kleingruppen von Frank Piontek auf ihre historische Realität überprüfen zu lassen.

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