Ringwörterbuch • Wag

Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagalaweia! Wallala weiala weia! Der vielbespöttelte Beginn des Rheingolds hat einen konkreten sprachlichen Grund. »Wag« bedeutete ursprünglich, von »wägen« bzw. »bewegen« herkommend, die bloße Bewegung. Schon im althochdeutschen »wâg« (mittelhochdeutsch wâc«) hat sich die Bedeutung zum »bewegten Wasser« verschoben, aus dem auch unsere »Woge« entsprang. In den oberdeutschen Mundarten bezeichnete »Wag« konkret den Fluss. Nichts anderes ist gemeint, wenn die Rheintöchter das im Rhein erschimmernde Rheingold besingen: »Glühender Glanz entgleißt dir weihlich im Wag!« »Weihlich« hat zwei Bedeutungen: verbunden mit der bekannten »Weihe« und dem »Wehen«, denn Wagners »Weia« – eine Befehlsform – leitet sich ab von eben diesem »wehen«, dessen Ursprung im gotischen »weian« und mittelhochdeutschen »waejen/weihen« liegt, sodass das Rheintöcherdeutsch leicht übersetzt werden kann: »Wehe! Fluss!« oder moderner: »Beweg dich, Wasser!«

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.