Ringwörterbuch • Magen

»Vermählen wollte der Magen Sippe dem Mann ohne Minne die Maid.« »Ihm folgen der Magen feindliche Mannen?« Die Magen, von denen Siegmund und Hagens Chormänner sprechen, bezeichnen allgemein die Blutsverwandten. Das Wort ist alt: im Gotischen hieß es »Mêgs«, im Alt- und Mittelhochdeutschen »mâg« und »mâc«; auch »Mog« taucht im Mittelalter auf. Vermutlich verwendete Wagner das Wort im geschlechtlich eingegrenzten Sinn, denn es ist unwahrscheinlich, dass dem zwangsweise verheirateten Mädchen und der überwältigten Brünnhilde alle Verwandten folgen sollten oder könnten. Die Rede ist, wie im isländischen Gebrauch des Wortes, von der männlichen Verwandtschaft, genauer: vom Schwertmagen (im Gegensatz zum weiblichen Kunkelmagen), dem nach altdeutschem Recht die männlichen Verwandten von väterlicher Seite angehörten. Die »Magd« ist bezeichnenderweise wortgeschichtlich nicht mit dem oder den »Magen« verwandt.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

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