Ringwörterbuch • Harst

Das Wort taucht gleich dreimal in der Walküre auf: von »Hetze und Harst« kehrten, so Siegmund, er und sein Vater einst heim, seine Waffen wurden ihm im Harst zerstört, und Sieglinde klagt Brünnhilde an, sie dem Harst entführt zu haben. »Harst« ist eine Nebenform zu »Harsch«, also der Schar, dem Heer oder dem Haufen, der denkbar harsch, also »rauh« vorgehen kann – im Harsch der Schneekruste, in der sich die einzelnen Kristalle zusammenballen, hat sich der Ausdruck noch erhalten. Im Schweizerischen bedeutet »Harsch« gelegentlich die Vorhut eines Heeres. Siegmund spricht also von einem militärischen »Haufen«, während Sieglinde die übertragene Bedeutung des Worts – im Sinne des Kampfes – benützt: so wie Mime, der weiß, dass Siegfried den Hort und den Ring im Harst errang: gegen den Einzelkämpfer Fafner, der zwar harsch, doch niemals Teil eines Harsts sein kann.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

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