Ringwörterbuch • freislich

Wotan bezeichnet den Felsen, auf dem Brünnhilde ruht, als »freislich«, weil dieser vom Feuer umlodert wird. Dies bezeichnet die erste Bedeutung des althochdeutschen »vreislih«: schrecklich, angsteinflößend. »Vreise« bezeichnet ursprünglich die Gefahr, die Not, aber auch die Grausamkeit, sogar dass Gericht über Leben und Tod, vielleicht abstammend vom gotischen »freisan« = jemanden versuchen = in Gefahr bringen. Wenn Hagen den Mannen ankündigt, dass Siegfried ein »freisliches Weib« an den Rhein bringt, so wird das Adjektiv mehrdeutig, indem es zum einen die wütende, zum anderen die Verderben bringende Frau charakterisiert. Siegfried ist übrigens (anders als der Siegfried des Nibelungenliedes) nicht freislich – erst Parsifal wird später von Kundry so bezeichnet.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

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