Ringwörterbuch • Friedel

»Mein Friedel sei, du fräuliches Kind« – Alberichs intime Bezeichnung stammt vom althochdeutschen »friudil« ab und bedeutet je nach Gelegenheit Geliebte/r, Braut/Bräutigam oder Gattin/Gatte. Somit hat das Wort die gleiche Wurzel wie das verwandte »Freund«, denn das gotische »Frijon« stammt ebenfalls vom sanskritischen »pri« ab, was neben »lieben« auch »erfreuen« heißt. Diese Wurzel ist in den slawischen Sprachen noch vorhanden, z.B. im russischen »prijatel« = Freund. Freien, freuen, Freund, froh und Friedel hängen also eng zusammen – auch wenn die Rheintöchter sich gewiss nicht darüber freuen würden, wenn ihnen Siegfried, wie in der Götterdämmerung angekündigt, den entkommenen Bären überließe.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.