Ringwörterbuch • Klinze

»Dass die engste Klinze dich fasse, wo bang die Kröte sich birgt« – »Hieher! die Klinze verklemmt!«: Loge möchte, dass sich Alberich so klein macht, dass er in einem Spalt verschwinden könnte, der so groß ist wie die Stelle, die Fafner beim aufgeschichteten Hort entdeckt.
Im Mittelhochdeutschen ist das Wort (anders als im Englischen, wo es die »clint« gibt) noch nicht nachweisbar, stattdessen aber »Klumse« bzw. »Klunse«. Wagner war die »Klinse« zweifellos durch die sächsische Mundart vertraut, wo sie eine Spalte in Dielen, Türen und Treppenstufen bezeichnet, durch die man durchzulugen vermag wie Fafner durch den Hort. Später wird Hans Sachs durch eine Klinze im Fensterladen seines Hauses schauen. Literarisch veredelt wurde die Klinze übrigens durch eine wichtige Stoffgrundlage für die »Meistersinger«: Schlegels Übersetzung des »Sommernachtstraums«, in dem Pyramus und Thispe im Handwerkerspiel durch die Klinze wispern.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen wird Dr. Frank Piontek die fremdartigsten erläutern.

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Orchestermusiker wirkten am 1. August 1876 an einer »Orchesterklangprobe« mit. Im Zuge der ersten Proben für den Ring-Zyklus im Festspielhaus prüfte Richard Wagner den Klang des unsichtbaren Orchesters und der Akustik des Hauses. (Quelle: Martin-Gregor Dellin, Richard Wagner: Sein Leben · Sein Werk · Sein Jahrhundert, S. 686)