Der Fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 1

Erste literarische Ausformungen der Gestalt eines sich selbst überschätzenden und damit widergöttlichen Seefahrers finden sich bereits in der Antike. Homers Odysseus wurde Jahrhunderte später von Dante in seine »Divina Commedia« gesetzt, denn der Weg nach Osten führte den antiken Helden geradewegs zum Läuterungsberg, an dem das Schifflein mitsamt der treuen Besatzung zerschellte: »Der Steven sank, wie man es oben wollte / Bis über uns die Wogen rollten weg.« So teilt es die Stimme des unglücklichen Seemanns im achten Höllenkreis dem Jenseitswanderer Dante mit: »Als es geschah, dass ich mich von der Zauberin Kirke wandte, da konnte nichts den Durst nach Kenntnis von dem Weltgetriebe in mir verlöschen.« Grund genug für einen christlichen Poeten des frühen 14. Jahrhunderts, den neugierigen Kapitän in die Hölle zu versetzen, nachdem er in der Antarktis, am Pol der südlichen Erdhalbkugel, scheiterte.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.

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