Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 4

1795 veröffentlichte der irische Taschendieb und spätere australische Polizeichef George Barrington seinen Reisebericht »A voyage to New South Wales«, in dem er von einem holländischen Kriegsschiff berichtet, das vor einigen Jahren vor dem Kap der Guten Hoffnung verloren ging, wobei »jede Seele an Bord umkam«, während ein Begleitschiff heil das Kap erreichte. Später wurde genau dieses Schiff fast auf demselben Breitengrad vom Sturm angegriffen, Barrington war dabei: »In der Nachtwache sahen einige der Leute ein Schiff, das für sie unter dem Druck der Segel stand, als würde es sie überrennen, oder stellten sich vor, sie sähen es, als würde es sie überrennen; besonders einer bestätigte, dass es das Schiff war, das bei dem früheren Sturm untergegangen war, und dass es sicherlich sie oder ihre Erscheinung sein musste; aber beim Aufklaren verschwand das Objekt.« Für den aufgeklärten Barrington war dieses Phantom lediglich eine dunkle, dicke Wolke, für den betrunkenen Bootsmann ein Gespensterschiff: »Es muss sicherlich der Geist jenes Holländers sein, der auf diesem Breitengrad unterging und der, wie ich gehört habe, in diesem Viertel immer wieder in harten Windstürmen auftaucht.«

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.