Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 5

Die Schuld, die den Holländer ruhelos über die Meere jagt, wurde 1797 zum ersten Mal literarisiert. Samuel Taylor Coleridge liess in seinem »Rime of the Ancient Mariner« einen alten Seemann einen Albatros mutwillig erschießen. Als er die Schönheit der Schöpfung erkennt, darf er zwar wieder an Land, doch muss er jedem, dem er begegnet, den Tiermord beichten. Sechs Jahre später definierte John Leyden in seinen »Scenes of Infancy« (Edinburgh 1803) die Schuld wesentlich ungenauer. Demnach soll sich die ganze Besatzung des Holländerschiffs »in den Anfängen der Seefahrt eines schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht haben und von der Pest heimgesucht worden sein.« Daher muss sie den Ozean, auf dem sie umgekommen ist, so lange  durchqueren, »bis die Zeit ihrer Buße abgelaufen ist«.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.