Der fliegende Holländer • Zur Entwicklung der Sage 6

Mit dem irischen Dichter und Balladensänger Thomas Moore kommen wir 1804 zum ersten Mal in das Gebiet der konkreten Holländer-Poesie. In den »Verses Written on Passing Deadman’s Isle in the Gulf of St. Lawrence« heißt es: »See you, beneath yon cloud so dark, / Fast gliding along a gloomy bark? / And there blows not a breath her sails to fill! […] To Deadman’s Isle, in the eye of the blast, / To Deadman’s Isle, she speeds her fast; / By skeleton shapes her sails are furled, / And the hand that steers is not of this world!« Auf Deutsch: »Siehst du, wie unter der dunklen Wolke, / Eine düstere Barke schnell dahingleitet? / Und es weht kein Hauch, ihre Segel zu füllen! Zur Insel der Toten, im Auge des Windes, / Zur Insel der Toten fährt sie schnell; / Mit Skelettgestalten sind ihre Segel gerollt, / Und die Hand, die steuert, ist nicht von dieser Welt!« Die »Skelettgestalten«, die »nicht von dieser Welt sind« und das unheimliche Schiff antreiben, konnte man früher in manch gespenstischer Inszenierung des »Fliegenden Holländers« erblicken.

Wagner hat die Figur des Fliegenden Holländers nicht erfunden. Bekannt ist, dass er sich von Heinrich Heine und einer lebensgefährlichen Schifffahrt inspirieren ließ, doch schon lange zuvor segelte der unheimliche Kapitän über die literarischen Weltmeere. Frank Piontek wird im Vorfeld der neuen Holländer-Inszenierung der Bayreuther Festspiele einige dieser Quellen kurz beschreiben.