Wagners Shakespeare

Was haben die Königsdramen mit Wagner zu tun? »Oho, eine ganze Menge«, wie Samuel Beckett geschrieben hätte – denn abgesehen davon, dass Wagner und Cosima Wagner sämtliche Dramen Shakespeares lasen, die seinerzeit als echt galten, hat Wagner in einem bedeutenden Frühwerk sich auch des Stils und der Szenen bedient, die er in einem der genialsten Königsdramen fand: im Doppeldrama »Henry IV«. Hier spielt Sir John Falstaff eine extrem wichtige Rolle: eine Figur, die Wagner noch in seinen letzten Tagen positiv zitierte.

»Dieser Falstaff«, sagt er einmal zu seiner Frau, »hat viel Tugend und das verwünschte Augenzwinkern«, und er fügt an, dass es ihn sehr ärgere, »wenn er Shakespeare vorlese und nicht jede Kleinigkeit mit Akklamation aufgenommen würde« – was sich weniger auf seine Eitelkeit als Vorleser als auf seine vorbehaltlose Bewunderung des großen Dichters bezieht.

Wer’s genau wissen will: Zur Lektüre des hinreißenden Dramas empfehle ich die exzellent übersetzte und vor allem kommentierte, zweisprachige Edition von Holger Klein, die bei Reclam erschien. Und wenn Sie jetzt sagen: Keine Zeit, dann sage ich: Nehmen Sie sich die Zeit – es lohnt sich.

Wagners Jugendstück aber heißt »Leubald«: ein fünfaktiges, sehr langes und komplettes Theaterstück mit Zitaten aus einem Dutzend »Shakespeare«-Stücken. Genaueres in Yvonne Nilges: »Richard Wagners Shakespeare«.

Die Königsdramen wurden, im Gegensatz zu »Hamlet«, »Romeo and Juliet«, dem »Midsummer Nights Dream« und dem »Tempest«, sehr sehr selten veropert. Wenn Sie Genaueres über dieses sehr exotische, aber durchaus spannende Thema finden wollen, schauen Sie mal auf »Pionteks Opernseite«. Dort werden Sie in drei Artikeln Informationen über alle Opern nach den Königsdramen und einige andere Artikel über die Vorgeschichte der Oper finden.

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Dr. Frank Piontek veröffentlicht.