Ringwörterbuch • Jach

»Bestimm‘, in welcher Gestalt soll ich jach vor dir stehn?«, fragt Alberich Loge. »So jach sah ich nie Walküren jagen!«, meint Rossweisse. »Was jagt mir so jach durch Herz und Sinne?«, fragt sich Siegfried. »Ein gemächlicher Schlag […] treibt jach den Kahn«, beobachtet Hagen. »Um die Rückkehr ist’s mir jach«, wird Siegfried kurz darauf sagen. Wer das neudeutsche Wort »jähe« (wie in »jähzornig«: schnell erzürnt) kennt, wird keine Schwierigkeiten haben, in »jach« das verwandte Wort zu erkennen. Es leitet sich von dem althochdeutschen kâhi / gâhi ab (mittelhochdeutsch: gaehe bzw. gach, und noch älter, also gotisch, vielleicht gêhv), was sich noch im französischen »gai« (munter, lebhaft) erhielt. »Mir ist  gâch«, sagte man im Mittelalter, wenn man es eilig hatte, doch noch zu Wagners Zeiten kannten einige Dichter das Wort, wenn sie es nicht eilig hatten, ein moderneres zu finden.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.