Ringwörterbuch • Bappe

»Mit Bappe back ich kein Schwert«, ruft Siegfried seinem Ziehvater zu. Wer »Bappe« für die sächsische Form von »Pappe« hält, irrt sich, denn »Bappe« leitet sich vom lateinischen »pappa« – das noch im italienischen »pappa« erhalten ist – ab und bedeutet wörtlich »Kinderbrei«, bezeichnet also, wie schon im mittellateinischen »pappa«, einen dicken Mehlbrei zum Essen. Das Wort erscheint spätestens im 16. Jahrhundert. »Bappe« kann aber auch den Kleister des Buchbinders und Schuhmachers bedeuten. Vielleicht meint Wagner eher letzteren Begriff, denn er wird auch in alten Leipziger Mundart-Lexika genannt. Zumindest ist klar, was »Bappe« bei Wagner heißt: dass Mimes Schmiedetechnik genauso defizitär ist wie seine Kochkünste.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.

Aus dem Archiv • Ein grüner Hügel wird gefunden

NA_B_II_g_I_Nr.19-Übereignungsurkunde-1871

Rund ein halbes Jahr nach Richard Wagners erstem Besuch in Bayreuth, bei dem dieser das Markgräfliche Opernhaus als möglichen Aufführungsort begutachtet, jedoch als zu klein befunden hatte, unterrichtet Friedrich Feustel den Bayreuther Stadtrat über Wagners Pläne , sein Festspielhaus in Bayreuth errichten zu wollen. Nur wenige Tage später  spricht sich das Bayreuther Magistratskollegium „einstimmig dafür aus, das großartige Unternehmen Richard Wagners in jeder der Stadtgemeinde möglichen Weise zu unterstützen“.

Ein Ort ist bald gefunden, in der Nähe des Stadtteils St. Georgen wird Richard Wagner ein Grundstück zur freien Verfügung gestellt. Die Übereignungsurkunde wird am 15. Dezember 1871 unterzeichnet.

Der Weg von der ersten Idee, ein Festspielhaus zu errichten, der Entscheidung Bayreuth als den Ort hierfür zu wählen, das Festspielhaus zu bauen und dort den Ring des Nibelungen auf die Bühne zu bringen war steinig und zog sich, vor allem wegen wiederkehrender Finanzierungsschwierigkeiten, über Jahre hinweg. Die ersten Festspiele am Grünen Hügel fanden schließlich im Jahre 1876 statt.

Abbildung: Übereignungsurkunde betreffend den Baugrund für das Festspielhaus, Bayreuth, 15. Dezember 1871 von Theodor von Muncker, mit eigenhändigen Unterschriften von Friedrich Feustel und Theodor von Muncker, © Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth

Zitat: Bauer, S. 41, Band I; Zitiert nach: Strobel 1936 – 1939, Bd. 3, S. 17