Ringwörterbuch • Bappe

»Mit Bappe back ich kein Schwert«, ruft Siegfried seinem Ziehvater zu. Wer »Bappe« für die sächsische Form von »Pappe« hält, irrt sich, denn »Bappe« leitet sich vom lateinischen »pappa« – das noch im italienischen »pappa« erhalten ist – ab und bedeutet wörtlich »Kinderbrei«, bezeichnet also, wie schon im mittellateinischen »pappa«, einen dicken Mehlbrei zum Essen. Das Wort erscheint spätestens im 16. Jahrhundert. »Bappe« kann aber auch den Kleister des Buchbinders und Schuhmachers bedeuten. Vielleicht meint Wagner eher letzteren Begriff, denn er wird auch in alten Leipziger Mundart-Lexika genannt. Zumindest ist klar, was »Bappe« bei Wagner heißt: dass Mimes Schmiedetechnik genauso defizitär ist wie seine Kochkünste.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.