Ringwörterbuch • Brünne

»Brünnhilde heisst auch deshalb Brünnhilde, weil sie eine Brünne trägt, die ihr von Siegfried – in jedem Sinn des Wortes – gebrochen wird. Gewöhnlich wird das Wort als »Schutzharnisch« übersetzt. Es leitet sich ab vom gotischen »brunjo«, althochdeutsch »prunia« und »prunna«. Auch im böhmischen »brne« wird die farbliche Bedeutung offenbar, denn »brinnen«, verwandt mit »braun« (ursprünglich auch »leuchtend« und »glänzend« meinend), bedeutet »leuchten« »Nicht Brünne noch Panzer barg mein Leib: mir in die Brust brach nur die Lohe« So beschreibt Siegfried seine Liebesverwirrung angesichts der Frau, der er die Brünne brach, um selbst im inneren leuchtenden Feuer, also unbeschützt von einer Brünne, zu erglühen.

Richard Wagner hat im Textbuch zum Ring des Nibelungen aus künstlerisch nachvollziehbaren Gründen viele Wörter untergebracht, die heute kaum noch verstanden werden können, weil sie im normalen Sprachgebrauch seit langem ausgestorben sind. Jedes dieser fremdartig, ja kurios anmutenden Worte beruht auf historisch nachweisbaren Begriffen. Anlässlich der neuen Ring-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2022 erläutert Dr. Frank Piontek die fremdartigsten.