Ringwörterbuch • Neid

Das böse Wort gehört zu den Lieblingsworten der Protagonisten des «Ring» – auch in den Kombinationen Neides-Zoll, Neid-Höhle und all den anderen mit «Neid» gebildeten Begriffen. Ursprünglich bezeichnete es im gotischen «neid» und althochdeutschen «nit» nicht die negative Eigenschaft des Hasses, sondern des (Kampf-)Eifers, auch im Sinne eines Wettstreits. Im «Ring» findet sich allein die jüngere Bedeutung der Missgunst und des Hasses, die eine Zeit lang neben dem positiv besetzten guten Neid noch herlief. Vom bloßen Einsatz im Kampf war es nicht weit zum tödlichen Streit, der mit dem Wunsch der Vernichtung des Gegners oder dem Ziel einhergeht, ihn, weil man neidisch ist, zu berauben: so wie Alberich, der sein Gut, den Ring, naturgemäß nur mit seinem Neid wiedererlangen kann. Im «Rheingold» hatte er Wotan und Loge klar analysiert: «Nach Nibelheim führt Euch der Neid» auf den Ring. Sein Fluch richtet sich seltsamerweise auch gegen sich selbst: «Wer ihn nicht hat, den nage der Neid» – also der Eifer, den im «Neidspiel» mit den Rheintöchtern errungenen Ring buchstäblich neidisch und als «Neiding» (wie es in der «Walküre» heißt) wiederzuer-ring-en.