Einen guten Rutsch!

Bei Wagners gab es an Silvester häufig einen Tanz um den Weihnachtsbaum und späteres Bleigießen. Den Jahreswechsel 1877 zu 1878 verbringt die Familie zudem mit Klängen aus Parsifal. Cosima hält in ihrem Tagebuch fest: »Wie innig befriedigt und innerlich beseligt beschließen wir dieses so schwere Jahr!«

Wir wollen es der Familie Wagner gleich tun und freuen uns mit Ihnen gemeinsam auf das Jahr 2023, welches auch Parsifalklänge mit sich bringen wird.

Zwischen den Jahren

Wer von Ihnen in der Zeit zwischen den Jahren nicht von Richard Wagner lassen kann und möchte, dem empfehlen wir »Sprechen wir über Mord?«. In einer dreiteiligen Sonderausgabe des SWR-Podcasts geht es diesmal um Macht und Gewalt in Richard Wagners »Ring des Nibelungen«.

Ein besonderer Gast darf hier nicht fehlen: Angela Merkel ist Teil dieses Sonderpodcasts und spricht mit den Moderatoren Holger Schmidt und Thomas Fischer über den spannenden Krimi-Opernstoff.

Die drei Folgen des Podcasts finden Sie in der ARD-Audiothek:

Habgier (33 Minuten)

Rache (35 Minuten)

Eitelkeit (17 Minuten)

Wir wünschen Ihnen viel Freude bei diesem für Wagnerianer kurzen 85-minütigen Hörvergnügen.

Für die, die sich lieber ein Buch in die Hand nehmen, sei folgender Titel empfohlen: „Vier Ehedramen und zehn Todesfälle. Unrecht und Recht in Richard Wagners Ring des Nibelungen“ von Peter Ernst Küfner.

Frohe Weihnachten!

Wir möchten Ihnen und Ihren Lieben eine schöne und besinnliche Weihnacht wünschen!

Vermutlich ist Ihnen bekannt, dass das Konzert-Debüt Richard Wagners stattfand als er gerade einmal 17 Jahre alt war. Am 25. Dezember 1830 erklang seine so genannte Paukenschlag-Ouvertüre in B Dur erst- und einmalig bei einem weihnachtlichen Armenkonzert im Leipziger Hoftheater.

Hatten Sie schon einmal Gelegenheit Richard Wagners Eintrag über dieses denkwürdige Ereignis im I. Band der Autobiographie »Mein Leben« zu lesen? Hier beschreibt Wagner, wie er den Abend seines Konzertdebüts damals erlebt hat:

»Es war zu Weihnachten des verhängnisvollen Jahres 1830, wo am Heiligen Abend wie üblich das Schauspiel ausfiel und dafür ein stets wenig besuchtes Armenkonzert im Leipziger Theater veranstaltet war. Als erste Nummer des Programmes figurierte die aufreizende Benennung »Neue Ouvertüre«; nichts weiter. Ich hatte unter großen Besorgnissen in einem Versteck der Probe beigewohnt und von der Kaltblütigkeit Dorns eine vorteilhafte Meinung gewonnen, welcher der bedenklichen Bewegung der Orchestermusiker gegenüber, als sie mit dem Vortrag der rätselhaften Komposition sich befaßten, eine außerordentlich sichere Fassung bewährte.

Das Hauptthema des Allegros war viertaktiger Natur; nach jedem vierten Takt war jedoch ein gänzlich zur Melodie ungehöriger fünfter Takt eingeschaltet, welcher sich durch einen besonderen Paukenschlag auf das zweite Taktviertel auszeichnete. Da dieser Schlag ziemlich vereinzelt stand, wurde der Paukenschläger, welcher sich stets zu irren glaubte, befangen und gab dem Akzente nicht die in der Partitur vorgeschriebene Schärfe, womit ich, über meine Intention selbst erschrocken, in meiner Unsichtbarkeit recht zufrieden war. Zu meinem wahren Mißbehagen zog jedoch Dorn den verschämten Paukenschlag an das helle Licht und bestand darauf, daß der Musiker ihn stets mit der vorgeschriebenen Stärke zur Ausführung brächte.

Als ich dem Musikdirektor nach der Probe über diesen bedenklichen Punkt meine Besorgnis mitteilte, gelang es mir nicht, ihn zu einer mildern Auffassung des fatalen Paukenschlags zu bewegen; er blieb dabei, daß die Sache sich so recht gut machen würde. Trotz dieser Beruhigung blieb meine Befangenheit groß, und ich getraute mich nicht, meinen Bekannten mich als den Komponisten dieser Ouvertüre im voraus zu bekennen. Nur meine Schwester,  welche bereits die heimlichen Vorlesungen von »Leubald und Adelaïde« zu überstehen gehabt hatte, bewog ich, mit mir zur Anhörung meines Werkes sich aufzumachen.

Es war der Abend der Weihnachtsbescherung im Hause meines Schwagers Friedrich Brockhaus; ich wie meine Schwester hatten ein Interesse, dieser Bescherung beizuwohnen. Sie, als zum Hause meines Schwagers gehörig, war besonders dabei beschäftigt und konnte nur mit Mühe auf kurze Zeit sich entfernen, weshalb der freundliche Verwandte sogar den Wagen anspannen lassen mußte, um die Wiederkunft der Schwester zu beschleunigen. Ich benutzte diese Gelegenheit, um mit einer gewissen Feierlichkeit meiner ersten Einführung in die musikalische Welt beizuwohnen: der Wagen brauste vor dem Theater an; Ottilie begab sich in die Loge meines Schwagers, wogegen ich mein Unterkommen im Parterre zu suchen genötigt war.

Ich hatte vergessen, mir ein Billett zu besorgen, und ward vom Türsteher zurückgewiesen: da hörte ich das Orchester immer intensiver einstimmen, ich glaubte den Beginn meines Werkes versäumen zu müssen und ging in der Angst deshalb so weit, mich dem Türsteher als den Autor der »Neuen Ouvertüre« zu entdecken, um ihn, wie es mir denn auch gelang, zu bewegen, mich ausnahmsweise ohne Billett zuzulassen. Ich drang bis zu einer der vorderen Bänke des Parterres vor und ließ mich dort in sinnloser Unruhe nieder.

Die Ouvertüre begann: nachdem sich das Thema der »schwarzen« Blechinstrumente bedeutungsvoll kundgetan, trat das »rote« Allegro-Thema ein, welches, wie gesagt, mit jedem fünften Takte durch den Paukenschlag aus der »schwarzen« Welt unterbrochen wurde. Welche Wirkung das später hinzutretende »grüne« Motiv der Blasinstrumente und endlich das Zusammenwirken des »schwarzen, roten und grünen« Themas auf die Zuhörer machte, ist mir undeutlich geblieben, da jener fatale Paukenschlag, mit hämischer Brutalität produziert, eine so aufregende Wirkung hervorbrachte, daß ich hierüber alle weitere Besinnung verlor.

Besonders die längere Zeit andauernde regelmäßige Wiederkehr dieses Effektes erregte bald die Aufmerksamkeit und endlich die Heiterkeit des Publikums. Meine Nachbarn hörte ich diese Wiederkehr im voraus berechnen und ankündigen: was ich, der ich die Richtigkeit ihrer Berechnung kannte, hierunter litt, ist nicht zu schildern. Mir vergingen die Sinne. Ich erwachte schließlich, als die Ouvertüre, zu welcher ich alle banalen Schlußformen verschmäht hatte, ganz unversehens abbrach, wie aus einem unbegreiflichen Traum: alle Wirkungen eines Hoffmannschen Phantasiestückes auf mich erblichen gegen den sonderbaren Zustand, in welchem ich zu mir kam, als ich das Erstaunen des Publikums am Schlusse meines Werkes gewahrte.

Ich hörte keine Mißfallsbezeugung, kein Zischen, kein Tadeln, selbst nicht eigentliches Lachen, sondern nahm nur die größte Verwunderung aller über einen so seltsamen Vorfall wahr, der jedem gleich wie mir wie ein unerhörter Traum vorzukommen schien. Das Schmerzliche war, daß ich nun eiligst wieder das Parterre zu verlassen hatte, da ich meine Schwester sofort nach Haus zu begleiten gehalten war. Mich erheben, durch die Bänke des Parterres mich dem Ausgange zu bewegen zu müssen, war furchtbar.

Nichts glich aber der Pein, mit welcher ich jetzt dem Türsteher wieder unter die Augen trat: der sonderbare Blick, den dieser auf mich warf, hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck auf mich, und für lange Zeit blieb ich dem Parterre des Leipziger Theaters fern. Jetzt war noch die Schwester abzuholen, mit ihr, die den Vorgang mitleidend erlebt hatte, einsam nach Haus zu fahren und dort dem Glanze eines Familienfestes entgegenzugehen, welches wie eine grelle Ironie in die Nacht meiner Betäubung hineinleuchtete.«

Quelle des Textes: Richard Wagner Verband Bamberg e.V., Beers Blog

Richard Wagner • Zum vierten Advent

Sie wissen noch nicht, was Sie Besonderes für Weihnachten zubereiten möchten? Wie wäre es mit ein paar Rezepten, wie man sie in Richard Wagners »Mein Leben« finden kann? Die Rezepte selbst stehen in der »Anweisung in der feineren Kochkunst«  von Johann Rottenhöfer. Wer mehr über die Essgewohnheiten bei Richard Wagner wissen möchte, kann dies im Buch »Zu Gast bei Wagner« von Daphne Wagner, Tilman Spengler und Barbara Lutterbeck nachlesen.

Wir wünschen Ihnen einen schönen vierten Advent!

Ringwörterbuch • Schelm

Für Loge ist der gebundene Alberich nur ein Schalk (ein hinterlistiges Subjekt) und Schelm, für Fricka und Alberich ist Loge ein Schelm. Heute ist ein Schelm ein Betrüger, im besten Fall eine lustige Person, doch schwingt bei Wagner noch die ursprüngliche, wesentlich bösere Bedeutung mit. Zuallererst bezeichnete das Maskulinum »scelmo« im Althochdeutschen einen toten Körper, im Speziellen einen toten Tierkörper im Sinn eines geschundenen Viehs. »Schelm« bedeutete zwischenzeitlich auch »Pest«, also eine Krankheit, die auch den Menschen befällt – von hier wurde im Mittelhochdeutschen jener Mensch als Schelm bezeichnet, den man für verworfen und schurkisch, letzten Endes für einen Betrüger hielt: so wie v.a. Loge, der immer noch im Ruf steht, nur seine eigenen egoistischen Interessen zu verfolgen – und wie Alberich, der sich die Finger durch den Raub des Rheingolds und die Erschaffung des Rings extrem beschmutzt hat.