Heinrich Porges

»… so hat R. Wagner im ‚Parsifal‘ die bewunderungswürdige That vollbracht, die gottesdienstliche Feier – von der wir früher gesagt haben, daß in ihr in der modernen Welt einzig das Gesammtkunstwerk lebendig geblieben war, – wiederum in der Form des Drama’s zur Darstellung zu bringen«. Porges war ein energischer Wagnerianer, der als Nietzscheaner das christliche Heilsgeschehen als Mythos und die katholische Messe als Vorläufer des »Gesamtkunstwerks« auffasste. Indem Porges den (antichristlichen) Philosophen und Wagner zusammendachte, rehabilitierte er das Dionysische im neuen Wagnerschen Gottesdienst – womit er, ohne es in seiner Rezension vom 6. August 1882 ausdrücklich zu sagen, die Rekonstruktion der Geisteswelt der Tragödien der antiken Dichter einklagte. In diesem Sinne stand Wagner für etliche Zeitgenossen in einer Tradition, die die 2400 Jahre alten Dramen mit der Gegenwart verband.