Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Schutz

Zehnmal hat man es im Textbuch mit »Schutz« und »schützen« zu tun. »Willst du wohl ohne Bang‘ und Graun / Dich meinem Schutze anvertraun? «, fragt Lohengrin Elsa, bevor er zum »Schützer von Brabant« avanciert, der Elsa vor der Klage und das Land vor den Ungarn ausdrücklich beschützen soll. Beschützen kann nur der, der über Waffen verfügt – ein mittelalterlicher »Schütze« (im Althochdeutschen hiess er noch »scuzzo«) war jemand, der mit einer Schusswaffe schoss und damit im Verteidigungsfall etwas dämmte; die Englänger kennen noch das diesbezügliche Verb »shut«. »Schiessen« bedeutete ursprünglich »versperren« oder »einen Riegel vorstoßen«. Wer keine Waffe hatte, konnte, indem er sich auf die älteste Bedeutung des Wortes besann, wenigstens als Wächter fungieren – so wie der (Be)schützer Lohengrin, der, wenngleich erfolglos, die Frage Elsas aufhalten will.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Von Freund zu Freund • Lohengrin-Ausstellung

Vom 3. Oktober bis zum 13. Januar zeigt die Villa Schöningen in Potsdam über 100 Exponate des Leipziger Künstlerpaares Rosa Loy und Neo Rauch, darunter zahlreiche Elemente der Bühnenbilder und Kostüme aus deren Bayreuther Lohengrin-Inszenierung. Rainer Fineske, Mitglied der Freunde von Bayreuth und 1. Vorsitzender des Richard-Wagner Verbandes Berlin-Brandenburg, war bei der Ausstellungseröffnung dabei, einen kleinen Eindruck vom Gesehenen gibt er hier weiter: Weiterlesen

Lohengrins Juristisches Wörterbuch • Zeihen

Ohne das »Zeihen« kommt das Lohengrin-Libretto nicht zum zentralen Anklagefall. »Des Brudermordes zeih‘ ich sie«, singt Telramund, »der sie so schwer zu zeihen wagte«. Im Alt- und Mittelhochdeutschen bedeutet das juristische Verb »zīhan« und »zīhen« an- bzw. beschuldigen. Im »Bezichtigen« ist das ursprüngliche Wort noch vorhanden: Da der Bezichtiger – in diesem Fall auf Elsa – hinweist und damit zeigt, ist die Verwandtschaft mit dem sanskritischen diśáti (zeigt, führt vor, legt dar), dem griechischen »deiknýnai« (zeigen) und dem lateinischen »dīcere« (sprechen, sagen) offensichtlich. Das genaue Gegenteil ist das »verzeihen«; diese Wortbedeutung entsteht seit dem 15. Jahrhundert: Wer verzeiht, verzichtet auf seinen Rechtsanspruch zur Wiedergutmachung, wenn er dem Schuldigen vergibt: so wie Lohengrin partiell Telramund verzeiht, als er ihm nach dem Zweikampf sein Leben lässt.

Richard Wagner hat in seinem Lohengrin etliche verzwickte juristische Fälle und Probleme untergebracht. Dabei erwies er sich als äußerst quellenkundig. Er konsultierte mehrere Rechtsgeschichten (u.a. von Jacob Grimm), um die Handlung seiner Oper möglichst realistisch auszustatten – und mit vielen juristischen Fachbegriffen aus der Spielzeit der Oper (10. Jahrhundert) zu versehen. Da sie sich heute nicht mehr von selbst verstehen, wird Frank Piontek anläßlich der  Neuinszenierung des Lohengrin 2018 Verständnishilfe leisten.

Drei Generationen • Wagner-Symposium in Berlin

Anlässlich des 180. Geburtstages von Cosima Wagner, des 150. Geburtstages von Siegfried Wagner und des 100. Geburtstages von Friedelind Wagner lädt der Richard-Wagner-Verband Berlin-Brandenburg zu einem Symposium am 11. und 12. November 2018 in die Deutsche Oper Berlin ein. Neben Vorträgen, Künstlergesprächen (Evelyn Herlitzius) und einem Liederabend (Anja Silja) steht der Besuch von Lohengrin auf dem Programm – mit namhaften Wagner-Sängerinnen und -Sängern, wie unter anderen Camilla Nylund, Günter Groissböck und Klaus Florian Vogt. Das komplette Programm finden Sie hier.

Der Richard Wagner-Verband Berlin-Brandenburg wurde im Jahre 1871 gegründet und zählt somit zu einem der ältesten Wagner-Verbände. Inzwischen hat der Verein rund 250 Mitglieder, jährlich ermöglicht er fünf Stipendiaten aus aller Welt den Besuch der Bayreuther Festspiele. Mehr als 130 regionale Richard-Wagner-Verbände gibt es derzeit weltweit, die meisten von ihnen vereinigen sich unter dem Richard-Wagner-Verband-International, viele von ihnen sind Mitglied der Freunde von Bayreuth.

Ausgezeichnet

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Vor kurzem wurden Mitwirkende der Bayreuther Festspiele sowie die Produktion Die Meistersinger von Nürnberg in der Kritikerumfrage der Opernwelt ausgezeichnet. Wie die Bayreuther Festspiele bekanntgaben, wurde Johannes Martin Kränzle zum Sänger des Jahres gewählt, Klaus Bruhns als Kostümbildner des Jahres ausgezeichnet und Die Meistersinger von Nürnberg (Regie Barrie Kosky) zur Aufführung des Jahres gewählt. Tobias Kratzer, der in Bayreuth 2019 die Neuinszenierung des Tannhäuser gestaltet, belegte in der Kategorie Aufführung des Jahres den zweiten Platz mit seiner Inszenierung der Götterdämmerung am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Diese Inszenierung ist auch für den Preis DER FAUST 2018 nominiert, der am 3. November in Regensburg verliehen wird. Auf 3sat.de wird die Preisverleihung ab 20 Uhr per Livestream übertragen.

Das Badische Staatstheater nimmt die Nominierung Tobias Kratzers zum Anlass, Mitgliedern der Freunde von Bayreuth sowie Mitgliedern von Richard-Wagner-Verbänden ein besonderes Kartenangebot für die Vorstellung der Götterdämmerung am 4. November im Badischen Staatstheater zu machen. Bitte wenden Sie sich bei Interesse direkt an die Theaterkasse des Badischen Staatstheaters Karlsruhe.