Meistersingerwörterbuch • Dichter & Meistersinger

Erst der Dichter erfindet zu neuen Tönen neue Weisen. Das althochdeutsche Verb tihton (von lat. dictare: etwas diktieren) taucht schon im 9. Jahrhundert auf und bedeutet »abfassen, schreiben«. Es ist bemerkenswert, dass für die Meistersinger zum kunstgerechten Dichten auch musikalische Qualifikationen erforderlich waren.
In der Oper bedeutet Meistersinger zweierlei: Zum einen werden die Mitglieder der Meistersinger-Zunft so bezeichnet, zum anderen jene Meister, die neue Töne zu neuen Weisen erfinden. Meistersinger bezeichnet in diesem präzisen Wortsinn also nichts anderes als Dichter.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.

Zahl des Tages

Grad Celsius war die höchste ermittelte Temperatur bei Messungen durch die Uni Bayreuth in der Spielzeit 2015. Erreicht wurde sie auf dem Beleuchterplatz am hinteren Dachboden. Zum Vergleich: Die Werte am Dirigentenplatz lagen zwischen 23 und 30 Grad, im Parkett Reihe 27 zwischen 21 und 31 Grad.

Meistersingerwörterbuch • Schüler & Singer

In der Singschule sitzen neben den Meistern die Schüler, die in der Hierarchie der Meistersinger die unterste Stufe einnehmen, weil sie die Tabulatur noch nicht kennen: so wie Stolzing, der zu Beginn der Oper höchstens – so meint David – ein »Schulfreund« ist. David gibt Auskunft über sich: »Schon voll ein Jahr mich unterweist er [Hans Sachs], / dass ich als Schüler wachs’«. Er und Stolzing seien erst dann Singer, wenn sie die bekannten Töne und Weisen zumindest kennen und reproduzieren würden. Singer meint bei Wagner allerdings auch, zumindest auf der Festwiese, lediglich »Sänger«.

Da Die Meistersinger in diesem Jahr als Neuinszenierung auf dem Bayreuther Spielplan stehen, stellt wieder jeden Monat der Musikwissenschaftler Dr. Frank Piontek einen Begriff aus Wagners Wortschatz vor.